Muslime in NRW sind besonders religiös

das freitagsgebet in der abu-bakr moschee an der altenessener straße 521 in essen. bild am 20. januar 2006 photo: frank vinken / waz
das freitagsgebet in der abu-bakr moschee an der altenessener straße 521 in essen. bild am 20. januar 2006 photo: frank vinken / waz
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Düsseldorf.. 48 Prozent der Muslime in NRW schätzen sich als stark gläubig ein. Der Wert liegt deutlich über dem anderer Bundesländer. Auf dem Arbeitsmarkt tut sich diese Bevölkerungsgruppe weiterhin schwer - holt aber bei der Bildung auf.

Die Muslime in NRW sind religiöser als die in anderen Bundesländern. 48 Prozent schätzen sich selbst als sehr stark gläubig ein. Weitere 43 Prozent nennen sich „eher gläubig“. Jeder Zweite nimmt mehrmals im Monat an religiösen Veranstaltungen teil. Jeder Vierte gehört zu einem religiösen Verein oder einer Gemeinde. 40 Prozent der Muslime beten jeden Tag.

Auf dem Arbeitsmarkt sind Menschen islamischen Glaubens im Nachteil, ihr Armutsrisiko ist höher, und ihr Bildungsniveau ist im Vergleich zu den Nicht-Muslimen eher niedrig. Wahr ist aber auch: Die Muslime holen auf bei Bildung und Berufsausbildung. Vor allem die Mädchen geben sich nicht mehr mit niedrigen Schulabschlüssen und einem Hausfrauendasein zufrieden. Sie wollen mehr, und sie sind erfolgreicher als ihre Eltern und Großeltern.

Erstmals haben Experten in einer aufwendigen Studie das Leben der Muslime in NRW unter die Lupe genommen. Dabei kam eine dicke Überraschung heraus: Im bevölkerungsreichsten Bundesland leben offenbar nicht, wie bisher angenommen, eine Million Muslime, sondern 1,3 bis 1,5 Millionen. Eine Erklärung dafür konnten gestern weder das NRW-Arbeitsministerium noch das Bundesamt für Migration nennen. Sie sind die Verfasser der Studie.

Unterschiedliche
Lebensentwürfe

Muslime in NRW haben völlig unterschiedliche Lebensentwürfe und Traditionen. Türkischstämmige leben und denken oft ganz anders als Iraner, Nordafrikaner und Zuwanderer aus Südostasien. Auch bei Karriere, Einkommen und Bildung gibt es zum Teil erhebliche Unterschiede. Iraner arbeiten häufig selbstständig und nicht als Angestellte; die meisten Iraner haben Abitur oder Fachabitur - und sind deutlich weniger religiös. Muslime, die aus der Türkei stammen, haben dagegen „auffallend niedrige Bildungsabschlüsse“, heißt es in der Studie.

Bei der Schulbildung schneiden die Muslime in NRW aber im Vergleich gar nicht schlecht ab. Im Bundesschnitt schaffen 34 Prozent der Muslime den höchsten Abschluss, in NRW liegt die Quote immerhin bei 40 Prozent.

Jeder fünfte der für die Studie befragten Muslime (21,6 Prozent) lebt ausschließlich von Sozialleistungen.

 
 

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