Müntefering wünscht sich Schröder als Kanzler zurück

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Berlin. SPD-Chef Franz Müntefering hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) scharf kritisiert und ihr den Bruch von Absprachen vorgeworfen. Für die aktuelle Krisenzeit wünscht er sich Vorgänger Gerhard Schröder zurück ins Kanzleramt. "Für ihn galt: Erst das Land", sagte Müntefering.

Die SPD legt in ihrer Kritik an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach. SPD-Chef Franz Müntefering sagte der «Bild»-Zeitung (Mittwochausgabe), der Ton in der Koalition sei schriller geworden, «weil Frau Merkel Absprachen nicht einhalten kann oder will«. Als Beispiele nannte der SPD-Chef die gescheiterte Reform der Jobcenter und Maßnahmen gegen Steuerhinterziehung, die am Mittwoch erneut nicht auf der Tagesordnung des Kabinetts standen. «So geht das nicht, Frau Merkel», sagte Müntefering.

Er wünschte sich, Merkels Vorgänger Gerhard Schröder (SPD) wäre noch Bundeskanzler. «Wenn er von einer richtigen Sache überzeugt war, dann hat er dafür gekämpft - ohne Rücksicht auf den eigenen Machterhalt», sagte Müntefering. Er fügte hinzu: «Für ihn galt: Erst das Land. Das vermisst man bei Frau Merkel.» Sie stimme im Zweifel auch gegen sich selbst. Das werde ihrer Kanzlerrolle nicht gerecht.

Koalition soll nicht vorzeitig scheitern

Müntefering stellte zugleich klar, dass die SPD die große Koalition nicht vorzeitig platzen lassen will. »Wir sollten bis zum Wahltag innerhalb der großen Koalition so miteinander umgehen, dass nicht alle Brücken zerstört sind«, betonte der SPD-Chef.

Auch der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer erwartet trotz der jüngsten Auseinandersetzungen zwischen Union und SPD keinen vorzeitigen Bruch der großen Koalition. Seehofer sagte am Dienstagabend im Bayerischen Fernsehen, nach seinem Eindruck werde die Koalition ihre »Verantwortung« wahrnehmen und ihre Arbeit bis zur Bundestagswahl Ende September erledigen. Dazu gebe es »überhaupt keine Alternative». (ddp)

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