MSV Duisburg konnte die Säulen nicht ersetzen

Dirk Retzlaff
Vasileios Pliatsikas konnte es nach dem Spiel in Bochum nicht fassen. Die Zebras rutschen immer weiter ab.
Vasileios Pliatsikas konnte es nach dem Spiel in Bochum nicht fassen. Die Zebras rutschen immer weiter ab.

Duisburg. Der MSV Duisburg steckt in der schlimmsten Krise seit der Littbarski-Ära. Nur sechs Punkte aus neun Spielen, Tabellenplatz 16. „Das kann nicht unser Anspruch sein“, sagt Geschäftsführer Roland Kentsch, der Trainer Milan Sasic zumindest noch bis zum nächsten Spiel gegen Paderborn den Job garantiert.

Zur Erinnerung: Vor Jahresfrist stand der MSV nach neun Spielen mit 21 Punkten auf Rang zwei. Die Talfahrt begann allerdings nicht erst in dieser Saison. Mit den verletzungsbedingten Ausfällen brachen den Zebras schon im Frühjahr die Säulen weg. Somit ist auch die Bilanz im Kalenderjahr 2011 ernüchternd. Nur sieben Siege in 26 Punktspielen stehen zu Buche. Ob sich nun der Trainer verbraucht hat oder nicht – die Qualität der Mannschaft hat sich erheblich verschlechtert. Der MSV hat Leistungsträger wie Koch, Maierhofer, Sahan, Yilmaz und Veigneau verloren. Hinzu kommt der Langzeitverletzte Baljak. Der Verein hat diese Verluste nichtmals ansatzweise kompensieren können. Eine Bestandsaufnahme.

Lichtblick Fromlowitz

Florian Fromlowitz: Der einzige Volltreffer unter den Neuzugängen. Der MSV hat sich auf der Torhüterposition erheblich verstärkt. Das Pokalfinale wäre mit ihm womöglich spannender gewesen. Der Keeper avanciert zum Leistungsträger und Publikumsliebling. Ersatzmann Felix Wiedwald ist ebenfalls neu, kam naturgemäß aber noch nicht zum Einsatz.

Dzemal Berberovic: Der Bosnier besticht durch eine robuste Gangart, als erfahrener Außenverteidiger solide. Allerdings setzt er zu wenige spielerische Akzente.

Markus Bollmann: 63 Bundesliga-Spiele, mittlerweile 86 Zweitliga-Partien – trotzdem bislang keine Verstärkung, als Innen- und als Außenverteidiger schwach.

Sergej Karimow: Bislang ein Totalausfall. Zweimal im Einsatz, ansonsten immer wieder verletzt mit immer wieder neuen Problemen. Vier Weisheitszähne wurden ihm gezogen, zuletzt war es der Knöchel. Es ist nicht absehbar, wann und ob er den Zebras helfen kann.

Vasileios Pliatsikas: Der Grieche kam mit großen Vorschusslorbeeren aus Schalke zum MSV. Im Defensivspiel stark, allerdings bringt er nicht die spielerischen Qualitäten ein, die man von ihm erwarten kann.

Jürgen Gjasula: Technisch stark, läuferisch zu schwach – somit zu wenig für einen Mittelfeldregisseur. Er ist auch kein Spieler, der die Mannschaft mitreißt, wenn es nicht läuft.

Daniel Brosinski und Kevin Wolze: Sie können auf den Außenbahnen die türkische Flügelzange Sahan/Yilmaz nicht ersetzen, zumal Wolze auf der Position hinten links verschenkt war. Brosinski fehlt es zudem an Dynamik, Mut und Zweikampfstärke.

Zvonko Pamic: Schön für ihn und die kroatische U-20-Nationalmannschaft, schlecht für den MSV. Durch die WM-Teilnahme für sein Heimatland fehlte er dem MSV in der wichtigen frühen Saisonphase. Kam erst zu drei Einsätzen beim MSV – der jüngste, am Sonntag in Bochum, war zumindest vielversprechend. Trotzdem: Ob er helfen kann, ist noch ungewiss.

Kastrati überfordert

Jiayi Shao: Erst hieß es, der Mann trainiere nicht vernünftig, jetzt ist von einer Knieverletzung und einer Kniespiegelung die Rede. Seine sechs, zumeist kurzen, Einsätze konnte er nicht zur Werbung in eigener Sache nutzen.

Valeri Domovchiyski: Der MSV Duisburg war vor der Verpflichtung des Bulgaren gewarnt. Ein Problemfall. Mittlerweile steht der offensive Mittelfeldspieler nichtmals mehr im Kader.

Flamur Kastrati: Nach der Verletzung von Emil Jula ist der Norweger nun die einzige nominelle Spitze im Duisburger Kader. Mit dieser Rolle war er in Bochum schon überfordert. Ohnehin steckt der U-21-Nationalspieler noch in der Entwicklung. Er könnte von Einsätzen in einer intakten Mannschaft profitieren – in Duisburg ist das nicht gegeben.

Janos Lazok: Vielleicht Milan Sasics letzter Joker – nach seiner kurzfristigen Verpflichtung ist eine Beurteilung des Ungarn aber noch nicht möglich.

Emil Jula: Ein Gewinn für den MSV – wenn denn die Verletzungsanfälligkeit nicht gegeben wäre. Seit Jahren plagt er sich mit Achillessehnenproblemen herum. Zu Saisonbeginn ein Muskelbündelriss, jetzt ein schwerer Faserriss. So kann er dem MSV nicht helfen.