Moscheebrand nicht politisch motiviert

Verhandlung wegen Brandstiftung vor dem Landgericht Dortmund.
Verhandlung wegen Brandstiftung vor dem Landgericht Dortmund.
Foto: WR
Begonnen hat am Freitag vor dem Landgericht Dortmund der Prozess gegen die Dirk N. (24) und Stefan S. (24). Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen gemeinschaftliche Brandstiftung vor. Politische Motive nennte sie nicht

Bergkamen.. Begonnen hat am Freitag vor der 44. Strafkammer des Landgerichtes Dortmund der Prozess gegen die beiden Bergkamener Dirk N. (24) und Stefan S. (24), die im vergangenen Jahr in zwei Wohnhäusern und einer Moschee Feuer gelegt sowie mehrere Container in Brand gesetzt haben.

Die Anklage wirft ihnen gemeinschaftliche Brandstiftung vor, spricht allerdings nicht, wie es bereits vorher am Freitag von einigen Medien voreilig gemeldet wurde, von einem rechtsradikalen Hintergründen.

Im Juli vergangenen Jahres geriet die Stadt Bergkamen bundesweit in die Schlagzeilen, weil es in der Nacht zum 23. Juli im Rohbau der Moschee der Milli-Görüs-Gemeinde an der Ernst-Schering-Straße brannte. Brandstiftung, ausgelöst im 1. Obergeschoss, wo Kleber und Styropor brannten, aber auch wieder erloschen, bevor der Kuppelbau in Brand geriet.

Dennoch entstand ein Schaden von 50000 Euro. Vor dem Hintergrund der Anschläge in Norwegen keimte seinerzeit auch in Bergkamen schnell der Verdacht eines Ausländer feindlichen Anschlages, zumal einer der beiden Tatverdächtigen von den Ermittlern der rechten Szene zugeordnet wird.

Angeklagter kam in Handschellen

Unter anderem soll er Mitglied der Neonazi-Gruppe „Nationaler Widerstand“ gewesen sein. Medien kommen nach Bergkamen und rücken die Stadt – allen voran Bürgermeister Roland Schäfer mit einem eher unglücklich zusammen geschnittenen Interview – in die nationale Ecke. In der Anklage werden mögliche Ausländer feindlichen Motive ausdrücklich nicht genannt.

Der mutmaßliche Haupttäter Dirk N., der zum Prozess-Auftakt mit weißem Hemd und schwarzem Anzug in Handschellen aus der U-Haft vorgeführt wurde, kündigte durch seinen Anwalt eine Erklärung zu den Vorwürfen am kommenden Dienstag an. Stefan S., der sein Gesicht hinter einem Aktenordner vor den Kameras verbarg, will sich am 3. Mai zu den Vorwürfen äußern. Beide räumten bislang einen Teil der Taten ein, beschuldigten aber jeweils den anderen als Haupttäter.

Schließlich hat das Duo – vor allem im Zustand Alkohol bedingter Unzurechnungsfähigkeit – auch in zwei Wohnhäusern gezündelt, aus denen 23 Menschen zum Teil mit Rauchvergiftungen haben gerettet werden müssen. Dirk N. soll dabei so weit gegangen sein, dass er nicht nur in unmittelbarerer Nachbarschaft an der Töddinghauser Straße gezündelt haben soll, sondern selbst bei seinem Nachbarn in der 2. Etage, den das Feuer in der eigenen Wohnung einschloss.

Ganz offenbar war der Brandstifter aber noch so weit Herr seiner Sinne, dass er die Flammen mit einem Feuerlöscher erstickte. Über seinen Geisteszustand wird im übrigen Dr. Reinhold Dannhorn aus Unna informieren, der die Angeklagten auch im Prozess als Psychiater beobachten wird.

Dirk N. und sein Verteidiger Christian Simonis haben schon vor dem eigentlichen Beginn der Verhandlung versucht, die Öffentlichkeit aus dem Gerichtssaal auszuschließen. Tendenz der 44. Kammer unter Vorsitz von Marc Bünnecke: Wohl kaum. Vorgesehen sind bis Ende Mai sechs Verhandlungstage.

 

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