MKK-Stipendium für Ulrike Sandig

Die Leipzigerin Ulrike Almut Sandig sicherte sich das mit 12 000 Euro dotierte Märkische Stipendium für Literatur.
Die Leipzigerin Ulrike Almut Sandig sicherte sich das mit 12 000 Euro dotierte Märkische Stipendium für Literatur.
Foto: Jakob Salzmann

Lüdenscheid.  Mit einer Geschichte aus ihrem Erzählband „Flamingos“, 2010 im Frankfurter Schöffling Verlag erschienen, sicherte sich die Leipzigerin Ulrike Almut Sandig – 1979 im sächsischen Großenhain geboren – am Dienstag das mit 12 000 Euro dotierte Märkische Stipendium für Literatur.

Erfreulich große
Resonanz

Sehr gut besucht war die Auswahllesung in der Stadtbücherei, zu der die Märkische Kulturkonferenz (MKK) mit Nora Bossong, Astrid Rosenfeld und Ulrike Almut Sandig drei viel versprechende Nachwuchsautorinnen eingeladen hatte. Per Losentscheid stellten sich die Schriftstellerinnen mit ihren Texten in alphabetischer Reihenfolge Jury und Publikum, das mit einer Stimme an der Entscheidung beteiligt war, vor.

Denkbar knapp fiel das Besuchervotum für Sandig aus. Nichtsdestotrotz deckten sich Publikums- und Juryentscheid in diesem Jahr, was in der Vergangenheit nicht immer der Fall war.

Preiswürdig waren alle drei, darin waren sich die Experten und Zuhörer einig. Auf die erfreulich große Resonanz spielte Ulrich Frenschkowski, 1. Vorsitzender der MKK, in seiner Begrüßung an. Einführende Worte schickte der Germanist Thomas Brenck, Mitglied der Jury, jeder Autorin voraus.

Gemeinsam mit Büchereileiterin Franziska Altenpohl, Hiltrud Schulte (Thalia) und Barbara Langos (Kulturamt der Stadt Altena) bildete Brenck das Jurorenteam, das über das Stipendium entschied. Professor Dr. Klaus Vondung, der als Juror an der Vorauswahl beteiligt war, konnte – da beruflich in Asien unterwegs – nicht teilnehmen.

In die Zeit des „Dritten Reichs“ und die Jahre danach nahm Nora Bossong (Jahrgang 1982), für ihre literarischen Arbeiten bereits mehrfach ausgezeichnet, in Auszügen aus ihrem Roman „Webers Protokoll“ - 2009 in der Frankfurter Verlagsanstalt erschienen – mit.

An der schillernden Figur des Konrad Weber, stellvertretender Leiter des deutschen Generalkonsulats in Mailand, machte sie ihre Zeitreise in die Vergangenheit fest. „Er traut sich nicht, sich vom Nationalsozialismus zu distanzieren, verteilt aber gefälschte Pässe“, beschrieb sie den Diplomaten. Aus beiden Teilen ihres Debütromans „Adams Erbe“ las Astrid Rosenfeld, 1977 in Köln geboren und heute in Berlin zu Hause, vor.

Preisträgerin liest
originellsten Text

Die Hauptpersonen des Romans – Adam und Edward Cohen – lernten die Zuhörer kennen. Edward rührte seinen Großvater wegen der Ähnlichkeit zu seinem verschollenen Großonkel Adam – Tabuthema in der jüdischen Familie - zu Tränen. Auch Adams Geschichte führte in die Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Den originellsten, innovativsten Beitrag zur Lesung steuerte Preisträgerin Ulrike Almut Sandig mit ihrer Geschichte „Über mich“ aus dem Erzählband „Flamingos“ bei. In fortwährender Negation nahm die Geschichte eines Menschen, den es nie gegeben hat, Konturen an. Nähe zur Lyrik sprach aus dieser verwirrenden, poetischen Geschichte, in der es um Identität, das Erinnern und die Puzzleteile eines Lebens ging. Die Fantasie regte die neue MKK-Stipendiatin mit ihrem anspruchsvollen Text an.

 
 

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