Mit der Zeitung

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich dieses Foto von mir in der WAZ gesehen habe. Da war ich Schülerin und noch nicht einmal 18 Jahre alt. Das Foto zeigte mich mit meinem Handballteam vom RSV Mülheim – natürlich im Lokalteil. Ich glaube, viele sind ähnlich aufgeregt und fasziniert, wie ich es damals war, wenn sie etwas von sich, aber auch von ihren Bekannten und Angehörigen oder von den Orten, die ihnen wichtig sind, in der Zeitung finden.

Und natürlich entsteht so der Wunsch, Tag für Tag in seine Zeitung zu schauen, um zu erfahren, was Spannendes und Wichtiges vor Ort geschehen ist. Das ist ja eine ganze Welt, das ganze Leben, das sich da entfaltet, von der Geburtsanzeige bis zur Todesanzeige, von der Vereinsgründung bis zur neuen Verkehrsführung, von der Verlegung des Wochenmarktes bis zum aktuellen Beschluss des Stadtrates. Nur Zeitungen mit lokalem Bezug können so umfangreich und gebündelt über das berichten, was vor Ort los ist, nur sie können uns diese Orientierung im eigenen Lebensraum geben und uns so enger mit unserer Heimat verbinden. Die WAZ leistet das inzwischen seit 65 Jahren – dazu sage ich ihr ausdrücklich „Danke und einen ganz herzlichen Glückwunsch“!

Der besondere Heimatbezug ist auch der Grund, warum für mich die Lokalzeitung zum Start in den Tag gehört wie die Tasse Kaffee zum Frühstück. Ich bin überzeugt, das Interesse daran ist und bleibt groß. Und regional fest verankerte Zeitungen begegnen dieser Erwartung mit gut ausgestatteten Redaktionen, vor allem mit Lokalredaktionen vor Ort. Denn die lokale Nachricht ist eine Pflanze, die Heimaterde braucht, um zu gedeihen.

Das Ruhrgebiet ist seit Jahrzehnten mit dem Wandel vertraut. So offen die Bürgerinnen und Bürger den Strukturwandel in der Wirtschaft angenommen und gestaltet haben, erkennen sie auch den Wandel in der Art und Weise, wie Nachrichten verbreitet werden. Niemand kann wissen, welche Form die Zeitung von morgen haben wird – aber ob wir sie nun auf Papier, mit Smartphone oder Datenfolie lesen, eines darf sich nicht ändern: Die hohen Qualitätsstandards im professionellen Journalismus müssen erhalten bleiben. Das sind gewissenhafte Recherche, umfassende, aktuelle Informationen und Hintergründe, Analysen und die journalistische Einordnung dessen, was in der Welt, in meiner Region und in meiner Stadt, in meinem Viertel passiert. Ich wünsche der WAZ, dass es ihr bei allen Umbrüchen der Medienlandschaft weiter gelingt, ihren Markenkern zu erhalten, zu pflegen und zu stärken, also Berichterstattung aus Stadt und Region auf hohem Niveau zu liefern. Journalisten ordnen Nachrichten ein und gewichten sie, sie machen politische Entscheidungen transparent und beleuchten zugleich deren Hintergründe.

Wichtige Voraussetzungfür die Demokratie

Deshalb ist gute lokale und regionale Berichterstattung auch eine sehr wichtige Voraussetzung für das Funktionieren der Demokratie in unseren Kommunen.

Ich bin ganz sicher, dass die Jungen und Mädchen, die in einem der vielen Sportvereine im Verbreitungsgebiet der Zeitung Top-Leistungen vollbringen, heute genauso stolz sind wie wir damals, als wir in „unserer“ WAZ im Lokalsport gelobt wurden.

Der Zeitung sowie ihren Leserinnen und Lesern ein herzliches Glückauf!