Meteor schreckt Menschen in Nevada und Kalifornien auf

Ein Meteor, wie hier bei einem Meteoritenschwarm im Süden Spaniens im Jahr 2010, schreckte die Menschen in Kalifornien und Nevada auf.
Ein Meteor, wie hier bei einem Meteoritenschwarm im Süden Spaniens im Jahr 2010, schreckte die Menschen in Kalifornien und Nevada auf.
Ein lauter Knall und Licht am Himmel haben die Menschen in Nevada und Kalifornien aufgeschreckt. Experten sind sich sicher, dass es sich dabei um einen Meteor gehandelt hat. Dass ein Meteor eine Explosion verursacht, ist allerdings sehr unwahrscheinlich.

Washington/Reno. Matthew Neal stand zufällig gerade in San Francisco an seinem Wohnzimmerfenster, als der kosmische Geisterfahrer zum Endspurt ansetzte. „Strahlend grün“ sei das rasend schnelle Ding am Himmel gewesen, erzählte der Hobby-Astronom den Reportern vom „Chronicle“, „und oben am Rand knallrot und weiß“. Für bunte Details hatte Erin Girard-Hudson aus dem Städtchen Arnold nahe Sacramento gar kein Auge. "Das ganze Haus hat gewackelt", berichtete die junge Mutter, “und nach dem großen Knall hat Elsie, meine zwei Jahre alte Tochter, geweint." Marcia Standifer aus Spring Creek in Nevada kann sich während des sonntäglichen Kaffeetrinkens mit dem Gatten nur noch an einen "großen, gleißend weißen Lichtball erinnern – und das um acht Uhr morgens!”.

Erlebnisberichte wie diese gab es am Montag zuhauf im Westen Amerikas. Entlang eines knapp 1000 Kilometer langen Korridors zwischen Kalifornien und Nevada wurden viele Menschen Augen- und Ohrenzeugen eines Schauspiels, das die Wissenschaft noch geraume Zeit beschäftigen wird. Größtmögliche Schnittmenge der ersten Bewertungen nach den Worten von Dan Ruby vom Fleischmann-Planetarium der Universität von Nevada: Ein Meteorit von der ungefähren Größe eines Kühlschranks ist als Feuerball auf die Erde niedergegangen.

Möglicherweise gehörte der All-Vagabund, ein Asteroiden-Trümmerteil aus Stein oder Eisen oder beidem, zum Meteoritenschauer der so genannten Lyriden, die alljährlich im Frühjahr über der Sierra Nevada zur Landung ansetzen. Möglicherweise war es aber auch ein "Einzelgänger". Schäden? Nicht, dass bisher jemand davon wüsste. Aufprallort? Ebenso.

Nahe an Erde gekommen

Den Knall, den Anwohner mit dem Sound eines Jets der US-Air-Force verglichen, das die Schallmauer durchbricht, erklärte Ronald Lunsford von der "Amerikanischen Meteor-Gesellschaft” mit einer eher ungewöhnlichen Annäherung. Normalerweise verglühten diese Irrläufer aus dem All in 60 bis 80 Kilometern Höhe, berichtete der Forscher im Fernsehen, “der hier muss wohl bis auf acht Kilometer Abstand zur Erde intakt geblieben sein – und dann knallt’s”.

Was in manchen Internet-Foren die besorgte Frage aufwirft, ob “Armageddon” und andere Science-Fiction-Kino-Thriller, in denen ungebetener Besuch aus dem Orbit die Hauptrolle spielt, doch vielleicht eine reale Gefahr beschreiben. Tun sie, erklärten am Montag Astronomen und Himmelsforscher aller Denkschulen – unwahrscheinlich zwar, aber doch mehr als theoretisch. Dass Mutter Erde mitten in einem gewaltigen kosmischen Schotterfeld treibt, aus dem pro Jahr amtlich geschätzte 300 000 Tonnen in Gestalt von staubkorn- oder murmelgroßen Bruchstücken in der irdischen Lufthülle niedergehen, macht in Forscherkreisen dabei keine allzu großen Sorgen. Anders sehe die Sache aus, wenn die Schwergewichtsklasse den Ritt auf den Blauen Planeten antritt und eben nicht durch die Reibungshitze in der Atmosphäre zu interstellaren Krümeln zerbröselt.

Aufprallort nicht vorhersagbar

Das kommt vor. 1908 riss es über Sibirien einen Meteoriten von 60 Meter Durchmesser knapp über dem Erdboden auseinander. Die Druckwelle fällte 2000 Quadratkilometer Wald. Dass die dickeren Brocken, von denen die Wissenschaft weiß, in der Vergangenheit meist in unbewohnte Einöden oder ins Meer klatschten, sagen Experten an der Universität von Kalifornien in Berkeley, sei “im Prinzip reines Glück”. Aufprallort- und Zeitpunkt per Teleskop vorherzusagen, sei “schwierig bis unmöglich”. Dazu bewegten sich Meteoriten auf zu vielen verschiedenen Umlaufbahnen.

Welche Zerstörungskraft ein Meteorit besitzt, der nicht am Erdschutzschild hängenbleibt, sehen sich jedes Jahr 300 000 Besucher in einem kleinen Kaff 50 Kilometer östlich von Flagstaff/Arizona an. Vor fünfzigtausend Jahren schlug hier in der Hochwüste des Südwestens Amerikas ein Eisenklumpen mit einem Durchmesser von 50 Metern ein. Der Krater, den er hinterließ, misst über einen Kilometer Länge und ist 200 Meter tief. Eine von 150 weltweit beurkundeten Narben von Weltraumgeschossen. Was soll man da sagen? Kopf hoch!

 
 

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