Merkel für alle

Miguel Sanches

Nanu, so kennt man Angela Merkel nicht. Meist war die Kanzlerin behutsamer. Subtiler. Wenn sie auf die Wahlkampfbühne von Nicolas Sarkozy springt und jede Zurückhaltung fallen lässt, hätte das eine neue Qualität. Womöglich buchstabieren die beiden Innenpolitik in Europa neu. Das Management in der Euro-Krise war schon keine „nationale Angelegenheit“ mehr. Könnte das eines Tages auch für den Wahlkampf gelten?

Angreifbar macht sie sich aber nicht, wenn sie wie gestern mit Sarkozy ein Interview gibt. Man kann ihr nicht vorwerfen, dass sie einem Konservativen hilft. Der springende Punkt ist der Umgang mit Herausforderer Francois Hollande. Man muss von ihr erwarten, dass sie ihn in Berlin empfängt, ihn nicht schneidet, sondern dem Mann mit Respekt begegnet. Es wäre auch opportun.

Der Sozialist ist aussichtsreichster Bewerber für das Präsidentenamt. Keiner kann voraussagen, ob Merkel über Grenzen hinweg Wähler anzieht. Das ist Sarkozys Risiko. Sollte Merkel aber den Wahlkampf aufmischen, wird demnächst jeder Konservative in Europa sie anfordern. Die Kanzlerin muss aufpassen, dass sie sich nicht überdehnt.