Mehr Bergschäden als vermutet

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Bergkamen..  Dürfen sich gebeutelte Hausbesitzer in Bergkamen neue Hoffnungen machen? Experten haben festgestellt, dass es auch Bergschäden außerhalb des offiziell errechneten Einwirkungsbereichs - der so genannten „Nulllinien“ - geben kann. Das heißt: Möglicherweise haben viel mehr Familien als bisher angenommen einen Anspruch auf eine Entschädigung für ihre Schäden an ihren Häusern.

Die Bergkamener Kämpfer für Bergbaubetroffene, Karlheinz Röcher und seine Mitstreiter vom „Aktionskreis Wohnung und Leben“, jedenfalls sind optimistisch. Anlass ist das Gutachten der TU Clausthal-Zellerfeld in Kooperation mit der Universität Münster. Darin wird eindeutig erwiesen, dass die Bergsenkungen außerhalb des vorgesehenen Senkungstrichters beim Bergwerk Prosper Haniel in Bottrop ebenfalls bergbauliche Ursachen haben.

Röcher: „Im Jahre 2010 hat sich durch Höhenmessungen der Bezirksregierung Köln herausgestellt, dass weite Teile von Kirchhellen abgesenkt wurden, obwohl die RAG in einhelliger Allianz mit der Bergbehörde der Bezirksregierung Arnsberg dies stets verneint hat – zumindest immer behauptet hat, dass der Bergbau dort nicht zu Absenkungen mit den bekannten Problemen führen kann.“

Jetzt, im Oktober, hat Prof. Dr. Wolfgang Busch (TU Claustahl) auf einer Informationsveranstaltung der Bezirksregierung Arnsberg festgestellt, dass es aus wissenschaftlicher Sicht keine anderen Ursachen als den Bergbau geben könne. „Eine kleine Genugtuung“, wie Röcher meint. Denn der Landesverband Bergbaubetroffener (LVBB) wisse schon lange, „dass an vielen Stellen im Ruhrgebiet auch außerhalb der von der RAG und der Bezirksregierung festgelegten Grenzen bergbaulicher Einwirkungen Bergsenkungen und damit Bergschäden aufgetreten sind, die aber von der RAG regelmäßig abgewiesen wurden.“

Da würde auch der Bereich des Bergwerks Ost, also die Städte Hamm und Bergkamen, keine Ausnahme bilden, meint Röcher.

Er hat mit seinem Aktionskreis deshalb einen Antrag bei der Bezirksregierung eingereicht. Ziel: Ein neues Gutachten für die Fläche des Bergwerks Ost für die Jahre 1998 bis heute. Dann könnten bislang „entrechtete“ Bürger endlich zu ihren Ansprüchen kommen, hofft Röcher. Denn bisher greife die nach dem Bundesberggesetz vorgesehene Bergschadensvermutung für „eine große Anzahl von Bürgerinnen“ gar nicht, weil bis bisher der Einwirkungsbereich durch die RAG eingeschränkt war.

INFO

Risse im Gemäuer, Hebungen und Senkungen sind in Europas einst größter Bergbaustadt immer noch ein Dauerthema.


Allein der Verband Wohneigentum, der sich auch mit Bergschäden auseinander setzt, hat 800 Mitglieder aus Bergkamen. Ansprechbar ist auch der Aktionskreis: (0177) 878 03 97.

 
 

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