Massenmord im Namen Gottes

Hexenverbrennung in einer historischen Zeichnung
Hexenverbrennung in einer historischen Zeichnung
Foto: WAZ

Märkischer Kreis.. „Auf dem Galgenberg leuchteten blutigrot die Hexenbrände, und ihre Rauchschwaden zogen dunkel durchs Land – bis an die Lenne.“ In düsteren Worten beschreibt der Balver Josef Pütter in einem Gedicht eine finstere Zeit: Fast 100 Jahre lang ließen Hexenkommissare vor allem im Nordosten des Märkischen Kreises foltern und morden. Allein in Menden und Balve wurden zwischen 1592 und 1666 mindestens 400 Frauen, Männer und Kinder als Hexen, Zauberer oder Werwölfe verurteilt und hingerichtet.

Kritiker wurden
verfolgt und bestraft

Das Wenige, was heute über die Zeit der Hexenverfolgung in Westfalen bekannt ist, hat zu einem großen Teil Hartmut Hegeler zusammengetragen. Der pensionierte evangelische Pfarrer und Religionslehrer gründete vor elf Jahren in Unna den Arbeitskreis Hexenprozesse. Seit dem erforscht der 64-Jährige mit anderen Christen die schrecklichen Gräueltaten, die von weltlichen Gerichten mit Billigung der Kirchen an unschuldigen Menschen verübt wurden.

Was Hegeler dabei herausfand, überraschte auch ihn selbst: „Am Anfang dachte ich, wir sind da ja gut raus“, erinnert sich der Pfarrer. Doch schnell musste Hegeler erkennen, dass es auch in evangelischen Gebieten Prozesse gab und sogar Luther und Calvin in ihren Schriften die Verfolgung von Hexen forderten. Und die waren keineswegs nur Frauen. „Ich war überrascht, dass etwa fünf Prozent der Fälle Kinder und 25 Prozent Männer betrafen“, berichtet Hegeler. Egal, ob Bäurin, Bürgermeister oder Pfarrer – der Vorwurf, mit dem Teufel im Bunde zu sein, konnte in den blutigen Anfangstagen der Neuzeit, die von Kriegen, Pest und Hungersnöten geprägt waren, jeden treffen. „Die Regierenden“, so das Fazit Hegelers, „brauchten einen Sündenbock, den sie für all dies verantwortlichen machen konnten.“

Gab es erst einmal einen Verdächtigen, wurde eine Kette in Gang gesetzt. Da die Gerichte nur Geständige verurteilen durften, folterten die Scharfrichter unter Einsatz von Wasser, Schrauben und Peitschen in der Regel so lange, bis die so Gequälten alle Vorwürfe gestanden und ihrerseits andere Unschuldige anklagten. Wer sich gegen diesen Wahnsinn aussprach, lief Gefahr, selbst umgebracht zu werden. „Der Bürgermeister von Arnsberg starb im Gefängnis, weil er sich gegen Hexenprozesse ausgesprochen hatte“, sagt Hegeler und weiß von zahlreichen anderen Fällen, in denen Kritiker verfolgt und bestraft wurden.

Im jenem Teil des Märkischen Kreises, der nicht vom Kölner Erzbischof regiert wurde, gab es nach bisherigen Forschungen keine Hexenverfolgung. „Für die Bürger in Altena und Lüdenscheid war es eine glückliche Fügung, dass die Obrigkeit keine Prozesse durchführen lassen wollte“, erzählt Hegeler. Hinzu kommt, dass die Region unter den Kriegen und schlechten Ernten nicht so litten, wie die landwirtschaftlich geprägten Gebiete im östlichen Sauerland.

Nicht so viel Glück hatten Georg und Johann Brune, die um 1615 Pastor und Bürgermeister von Affeln waren. Das gehörte damals noch zum Amt Balve und so wurden die beiden Brüder eines Tages vom dortigen Gericht der Zauberei bezichtigt. Wie das Verfahren endete, weiß allerdings selbst Hartmut Hegeler nicht zu sagen. „Es sind einfach zu viele Fälle. Aber wenn einer fragt, versuchen wir uns schlau zu machen.“

 

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