Marschall Steinbrücks Plan – von Ulrich Reitz

Peer Steinbrück verlangt einen Marshall-Plan für Griechenland. Das hat was, hatte doch schon die damalige Wiederaufbauhilfe der Amerikaner für das kriegszerstörte Europa viel mit Griechenland zu tun. Nach dem Krieg versuchte die Sowjetunion durch massive Hilfe für die griechischen Kommunisten, Griechenland aus dem westlichen Lager zu brechen. Europa war zu arm, um zu helfen. Da sprangen die Amerikaner ein. Das kleine Griechenland bekam aus dem Marshall-Plan satte 700 Millionen Dollar, das große Deutschland erhielt gerade einmal doppelt so viel.

Nun hat sich die Sowjetunion Gott sei Dank erledigt und auch die griechischen Kommunisten sind nicht mehr, was sie früher gewesen sein mögen. Griechenland hängt auch nicht wegen eines Weltkriegs am Fliegenfänger, sondern weil unterschiedliche Regierungen dort unbedingt mehr Geld ausgeben wollten, als sie einnahmen. Außerdem zeigten sie, wie man mit billigen Europa-Krediten in die Grube fährt. Sie finanzierten damit einen Wünsch-Dir-Was-Staat und einen grotesken, korrupten Beamten-Apparat.

Griechenland nun mit Konjunkturhilfen zu kommen, mutet an wie der seltsame Versuch, einem übersättigten Hund fette Würste hinterher zu werfen.

Außerdem wäre es ein Vertrauensbruch. Im Stabilitätspakt steht, dass Staaten andere Staaten nicht heraushauen dürfen. Das war ein wichtiges Seriositäts-Versprechen an die europäischen Völker: keine Transfer-Union.

Etwas anderes ist ein sogenannter Schuldenschnitt, den Finanz-Eurokraten mit dem völlig verfehlten Begriff „Haircut“ (Haarschnitt) belegen. Oder wollte man unfreiwillig mit dem Gedanken jonglieren, dass einmal halbierte Schulden so zuverlässig nachwachsen wie die Haare auf dem Kopf?

Einem Land indes Schulden zu erlassen, die es ohnehin nicht mehr zurückzuzahlen vermag, kann sinnvoll sein – unter bestimmten Bedingungen. Man muss den Griechen schon den Weg zurück in jenen Schlendrian verbauen, der erst zu diesen Schulden geführt hat. Auch sollte Brüssel von Athen verlangen, endlich die steuerhinterziehenden Millionäre zur Ader zu lassen, die mit ihrem unsozialen Verhalten die Moral untergraben.

Wenn das geschieht, darf sich Deutschland ruhig daran erinnern, selber einmal von einem Schuldenschnitt profitiert zu haben. Das war 1952, als den Deutschen die Hälfte ihrer Nachkriegsschulden erlassen wurden. Dies geschah allerdings weniger aus Menschenliebe als aus dem Kalkül, den Sowjets ihre Grenzen zu zeigen. Pardon, Herr Steinbrück, aber mit dem Griechen-Problem von heute hat das alles wenig zu tun.

 
 

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