Maren Ade holt Regiepreis beim Frauenfilmfestival

Jennifer Schumacher, Martina Herzog
Foto: PHOTOZEPPELIN.COM

Dortmund. Junge Regisseurin auf Erfolgskurs: Maren Ade hat für ihr zweites Werk "Alle Anderen" nach zwei Silbernen Bären bei der Berlinale nun auch den mit 25.000 Euro dotierten Regiepreis des Frauenfilmfestivals gewonnen. Für die Macherinnen gab es Versprechungen aus der Politik.

"Wir sehen unsere eigene Welt mit neuen Augen" - wenn das die Wirkung eines Films ist, dann ist das bemerkenswert. Wenn er dann noch "ebenso unterhaltsam wie intelligent" ist, dann ist ein Preis wohl unvermeidbar. Die Jury des internationalen Frauenfilmfestivals sah genau diese Kritierien in Maren Ades Film "Alle anderen" erfüllt. Die junge Regisseurin wurde am Sonntagabend in Dortmund als beste Regisseurin des Festivals geehrt.

"Wahnsinnig viel Geld"

"Ich könnte das Geld bemalen oder etwas Sinnvolles damit tun!", strahlte Ade im Scheinwerferlicht der Schauburg. Der Preis mache sie "sehr glücklich, auch in Anbetracht der Konkurrenz." Mit so "wahnsinnig viel Geld" könne sie sich nun frei machen für neue Projekte. Ihre Produzentin jedenfalls darf nun auf "ein sehr teueres Geschenk" hoffen.

„Alle Anderen“ wurde in Dortmund bereits zum zweiten Mal prämiert. Bei der Berlinale erhielt das Werk zwei Silberne Bären, nun kann sich Ade mit dem mit 25.000 Euro dotierten internationalen Preis für Spielfilmregisseurinnen eine weitere Auszeichnung ins Regal stellen.

Preise für die Bildgestalterinnen

Jurymitglied Paola Paoli lobte in der Begründung vor allem „den innovativen Blick“ Ades auf das „alte Thema“ Liebe. Der Film, Ades zweiter, leuchtet die Beziehung eines jungen Paares aus: Im Urlaub auf Sardinien sind die beiden durch die Begegnung mit einem anderen Paar gezwungen, ihre Rollen neu zu finden. Im Wettbewerb hatte Ade mit insgesamt sieben weiteren Filmen aus Taiwan, China, Frankreich, den USA, Tschechien und Kanada konkurriert.

Den mit 5.000 Euro dotierten Preis des Nationalen Wettbewerbs für Bildgestalterinnen teilen sich Susanne Kurz für „1, 2, 3“ und Marlen Schlawin für „Badetag“. Zudem hatte DerWesten erstmals den Preis für Dokumentarfilm-Kamerafrauen ausgelobt. Die 2.500 Euro gehen an Anne Misselwitz für „Der, die, das“.

Den "für viele Filmemacher wärmsten und schönsten Preis", wie die Moderatorin des Abends, Margaret von Schiller den Publikumspreis nannte, gewann der Dokumentarfilm "Himalaya - A Path to the Sky" unter der Regie von Marianne Chaud. Sie erhält 1.000 Euro.

Klare Worte von Große-Brockhoff

Nicht nur für die Geehrten gab es Grund zur Freude, auch die Macherinnen des Frauenfilmfestivals gehen gestärkt in die Zukunft. Der nordrhein-westfälische Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Große-Brockhoff lobte die Veranstaltung in den höchsten Tönen und sicherte auch für die Zukunft seine Unterstützung zu.

Damit einher ging das Versprechen, das Festival weiterhin im gleichen Maße finanziell fördern zu wollen. Angesichts der Differenzen mit der Kölner Partnerveranstaltung mahnte er zur Geschlossenheit. Wenn auch die "Ursache ganz wesentlich bei den Vertretern der Feminale" liege, müsse nun doch Einigkeit erzielt werden. "Ich habe dafür kein Verständnis", sagte er mit Blick nach Köln.

"Ermattet aber fröhlich"

Ganz spurlos war die Kino-Woche allerdigs nicht am Festivalteam vorbei gegangen, das wurde bei der Pressekonferenz am Sonntagnachmittag deutlich: „Wir sind ermattet aber fröhlich“, fasste Stephanie Görtz, Pressesprecherin des Festivals, zusammen. Die Besucherzahlen konnten zwar nicht gesteigert, aber stabil gehalten werden. Für Räbiger dennoch ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann. „Das Frauenfilmfestival stellt einen hohen Anspruch. Wir erwarten auch in Zukunft keine riesigen Besucherströme, schließlich ist das Frauenfilmfestival keine Mainstream-Veranstaltung. Wir sehen uns vielmehr als pointierte und zugespitzte Kulturveranstaltung“, sagte sie.

Diese gelte es, auch für die Zukunft zu erhalten. Die Neuauflage im kommenden Jahr ist schon fest terminiert, vom 14. bis 18. April 2010 findet das nächste Frauenfilmfestival statt. Dennoch müssten kleine Filmfestivals neu diskutiert werden, verdeutlichte Räbiger: „Auch wir haben mit explodierenden Kosten zu kämpfen. Das trifft uns vor allem im Bereich Technik, was aus den digitalen Film-Einreichungen resultiert. Auf der anderen Seite schwinden die Einnahmen. Das war vor allem bei unserem Festivalheft spürbar, das wir früher zu einem viel höheren Anteil aus Anzeigen refinanzieren konnten.“

Sechs erfolgreiche Tage

Doch mit düsteren Zukunftsprognosen wollten sich die Organisatorinnen nicht gern auseinandersetzen. Vielmehr hielten sie Rückblick auf sechs erfolgreiche Tage. Dabei lobte Räbiger neben den Spielfilmen des Regiewettbewerbs auch das umfangreiche Programm zum Thema Freiheit, das von Betty Schiel zusammengestellt wurde. „Wir haben von vielen Besuchern ein positives Feedback für die thematische Einordnung bekommen“, sagte Räbiger.

Nicht der einzige Grund zur Freude: Schließlich verzeichnete die Festivalleitung einen Zuwachs beim Schulfilmprogramm: 1000 Schülerinnen und Schüler ließen sich von den Leinwänden in den Bann nehmen. Auch die Zusammenarbeit mit den Universitäten und Fachhochschulen der Region habe reibungslos funktioniert. So erstellten Studenten zum Beispiel die täglichen Festivalnews oder betreuten das eigens fürs Frauenfilmfestival eingerichtete Blog. Diese enge Verknüpfung müsse weiter gefestigt und ausgebaut werden, war sich das Organisationsteam einig.

Erstmals parallele Fortbildung für den Nachwuchs

Festhalten wolle man auch am Weiterbildungsangebot, das erstmals parallel zum Filmprogramm lief. Unter Federführung von Christine von Frackstein, die unter anderem bereits den Talent-Campus der Berlinale leitete, nahmen 60 junge Filmemacherinnen an den Workshops teil. In intensiver Arbeit erweiterten sie ihr Wissen in Bereichen wie PR, Finanzierung, Bildgestaltung und Regie. Dabei standen ihnen gestandene Profis zur Seite, wie etwa Maria von Heland, die unter anderem das Drehbuch zu „Hilde“ gestaltete.

Wegbrechender Einnahmequellen und steigender Kosten zum Trotz: „Diese Festival ist gewollt und wir haben auch längerfristige Zusagen. Das Frauenfilmfestival ist ein wichtiger kultureller Beitrag für NRW“, sagte Silke J. Räbiger.

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