Loveparade und die Schuldfrage - von Hayke Lanwert

Hayke Lanwert

Schon direkt nach der Katastrophe, nach der Loveparade, mochte man sich kaum in jene hinein versetzen, die an deren Vorbereitung beteiligt waren. Ihre Verantwortung, das Gefühl versagt zu haben, möglicherweise Mitschuld am Tod von Menschen zu tragen und wenn auch nur als Teil eines großen Apparates wie der Stadtverwaltung Duisburg. All das muss eine extreme Last sein. Und es ist bekannt, dass einige von ihnen auf psychologische Hilfe angewiesen sind.

Doch da waren und da sind die Toten, die vielen ­Verletzten, ihre Angehörigen, die Anspruch auf Aufklärung haben. Bald sechs Monate arbeiteten rund 90 Ermittler an der Rekonstruktion des Unglücks und seiner Vorgeschichte. Sie werden inzwischen guten Einblick haben, was sich in den Wochen vor der Loveparade in den Amtsstuben abspielte, was beim Veranstalter Lopavent und auf der Loveparade selbst. Wer Druck machte, die Veranstaltung so und nicht anders durchzuführen, wer versagte, seiner Verantwortung nicht gerecht wurde.

Dass der Veranstalter Rainer Schaller selbst, dass Oberbürgermeister Sauerland als Chef der Verwaltung nicht im Visier der Staatsanwälte sind, mag überraschen, muss jedoch nicht endgültig sein. Die Ermittlungen gehen weiter. Wer weiß, was manch einer der Beschuldigten noch zu erzählen hat.