Lippische Ananas echt westfälisch

Foto: WR

Kamen.. Schaut man bei Wikipedia, was unter „westfälischer Küche“ zu verstehen ist, lautet die Antwort: „Kochtraditionen, die für Deutschland nördlich des Weißwurstäquators typisch sind“. Fragt man die Kamener Wirte nach der westfälischen Küche, steht die Antwort meist wenig später dampfend auf dem Tisch.

So auch im Hotel Stadt Kamen. „Wir bieten zwar internationale Gerichte an, führen aber auch regionale Spezialitäten“, erläutert Inhaber Atef Hosni und lässt direkt mal eine ordentliche Portion Sauerbraten mit Salzkartoffeln und Rotkohl kommen.

Eine Küche vor allemfür den Winter

Schmeckt genauso gut wie selbstgemacht, ist aber aufgrund des Apfel-Dekors als Restaurantgericht enttarnbar.

Deftig sei die westfälische Küche, eher was für den Winter, findet Atef Hosni. Deshalb werden in seinem Restaurant regionale Spezialitäten wie „Himmel und Erde“ oder Grünkohl auch hauptsächlich in den kalten Monaten gegessen. Ein bis zwei westfälische Gerichte finden sich aber eigentlich immer auf der Karte, die alle paar Monate wechselt. Beliebt seien Pfefferpotthast, sowie Grünkohl vor allem bei älteren Gästen.

Auch bei Kümpers finden sich regionale Spezialitäten auf der Speisekarte zum Teil mit saisontypischem Wechsel. Folgt man dem Duft herzhafter Spezialitäten weiter durch die Kamener Gastronomie, findet man sich vielleicht in der Gaststätte Richters wieder. Hier gibt es Currywurst, hier wird aber auch nach westfälischem Rezept gekocht - und das seit 30 Jahren. „Wir ändern jede Woche unsere Karte“, erzählt Inhaber Joachim Richter. Dabei finden auch typisch westfälische Gerichte den Weg auf die Speisekarte. Bohneneintopf, Stielmussuppe, Kalbsrouladen liest man dort. Auch hier bestellen vor allem die älteren Gäste die traditionellen Gerichte: „Die kommen dann gern zum Mittagstisch“.

Der Westicker Wirt Uli Neumann kann seine ehrenamtliche Rolle als Ortsheimatpfleger auch am Herd nicht verleugnen. Er bietet neben eigenen regionalen Bierspezialitäten seinen Gästen im Alten Gasthaus Schulze-Beckinghausen auch Deftiges im Stil regionaler Hausmannskost und bereichert seine Speisekarte auch mit kreativen Namen mit Ortsbezug. Dort gibt es auch ein Püttmann-Steak.

Zu all dem serviert er Geschichte. Zum Beispiel habe es in Kamen eigenes Bier gegeben, zwar nicht aus einer Brauerei, aber aus Backstuben. Weil dort mit Hefe umgegangen wurde, war der Weg zu m Keut genannten Bier kurz.

Ulrich Neumann setzt auf regionale Produkte, auf den Jungbullen aus Westfalen statt auf den exotischen Fleischlieferanten aus Argentinien. Der Rosenkranz ist für ihn typisch westfälisch, eine Bratwurstschnecke auf dicken Bohnen, dazu Bratkartoffeln. Oder der „Eintopf von der lippischen Ananas“. Und die lippische Ananas, das ist in Wahrheit die Steckrübe. Neumann erzählt gern noch mehr, auch aus Zeiten, als man Hagebutte als Pfefferersatz genutzt habe. Aber die Arbeit ruft. Spargel, natürlich aus Westfalen, will vorbereitet werden.

Wer selber westfälisch kochen will, für den gibt es übrigens im Haus der Stadtgeschichte das Kamener Kochbuch zu erwerben.

 
 

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