Letzte Schicht für die Retter im Kreishaus

Die Rettungsleitstelle wird aus dem Kreishaus an die Florianstraße verlagert.                             Foto: Henryk Brock
Die Rettungsleitstelle wird aus dem Kreishaus an die Florianstraße verlagert. Foto: Henryk Brock
Foto: Henryk Brock

Unna. Wo sonst in kurzen Abständen die Telefone klingeln, ist jetzt – in der Leitstelle des Feuerwehr- und Rettungsdienstes – erstaunlich wenig los. Und Hans Schulz weiß, dass er heute wohl die ruhigste Schicht seiner bisherigen Dienstzeit im Kreishaus erleben wird. Der Grund ist simpel: Die alte Leitstelle hat ausgedient, die Telekommunikations- sowie Computeranlagen werden ab dem Vormittag abgeschaltet und alle Telefon- und Datenleitungen auf die neue Kreisleitstelle an der Florianstraße aufgeschaltet.

Hans Schulz und Kollege Ralf Vennewald fahren die letzte Leitstellen-Schicht im Kreishaus, sozusagen als Sicherheitsreserve, damit kein Alarmruf verloren geht, falls doch noch eine Leitung verspätet umgelegt wird. Am Dienstagmorgen um sieben schalten sie dann das Licht aus und beenden damit die Ära der Leitstelle im Kreishaus.

Ein bisschen Wehmut wird dabei mitschwingen, denn „seit Indienstnahme der Einrichtung am 2. Januar 1978 bin ich schon dabei“, erzählt Hans Schulz. Computerunterstützung habe es da noch nicht gegeben, „da lief alles in Handarbeit mit Stift, Block und Telefon“, lacht der Hauptbrandmeister. Moderner wurde es ab 1984, da ging der erste Leitrechner in Betrieb.

Inzwischen unterstützt modernste Technik das Herz des Rettungsdienstes für den Kreis Unna. Egal ob in Bönen, Fröndenberg oder Unna, „wer im Kreisgebiet die 112 wählt, läuft auch in der neuen Kreisleitstelle als Anrufer auf“, informiert deren Leiter, Jens Bongers. „Wir geben dann am Leitplatz über die Eingabemaske am Computer den Einsatzort ein, der sofort automatisch auf einem Stadtplan am Bildschirm angezeigt wird.

Wir können auch sofort sehen, welche Kräfte in Ortsnähe zur Verfügung stehen und alarmiert werden müssen.“ Dazu reicht ein Blick auf den nächsten Monitor, wo alle Einsatzfahrzeuge der Stadt- und Gemeindewachen aufgelistet sind. „Die verschiedenfarbige Statusanzeige grün, orange, rot zeigt, ob die Fahrzeuge zur Verfügung stehen, gerade im Einsatz sind oder nicht dienstbereit sind.“ Alarmiert wird die Wache vor Ort dann automatisch via Gongsignal, Fax und Pieperalarm an den Gürteln der Wehrkräfte. Hans Schulz: „Wir sagen von hier das benötigte Einsatzfahrzeug und den Einsatzort durch“, direkt zu hören über die Lautsprecher der Wache.

Damit der Rettungswagen, falls es im Einsatz um Tod oder Leben geht, zielgenau die Klinik ansteuert, die alle Notversorgungen bieten kann, „sind die Krankenhäuser uns gegenüber auch verpflichtet, stetig anzuzeigen, ob ihre Intensivabteilungen noch Kapazitäten frei haben oder nicht“, so Brandamtsrat Bongers weiter.

Rettungshubschrauber ist stets in Blickweite

Muss der Patient schnellstens in eine Spezialklinik, wird der Rettungshubschrauber Christoph 8 angefunkt. Wo der sich gerade in der Luft oder am Boden befindet, hat die Leitstelle stets im Blick. Auf einem weiteren Bildschirm, der über GPS -Signal, ähnlich wie beim Auto-Navi, den genauen Hubschrauber-Standort anzeigt.

Quasi ihre Feuertaufe muss die neue Leitstelle noch bestehen. Das wäre ein Großereignis wie der Orkan Kyrill, (18./19. Januar 2007) bei dem alle verfügbaren Einsatzkräfte der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und THW kreisweit aktiv waren (1 900 Einsätze). Bongers: „Bei einer solchen Flächenlage verfügt die Leitstelle jetzt über acht statt bislang vier Leitplätze. Zudem kann in einem direkt angeschlossenen modernen Führungsraum jederzeit ein Krisenstab mit weiteren Behörden wie Ordnungsamt, Unterer Wasserbehörde oder Polizei eingerichtet werden.

Hans Schulz hat derweil in der alten Leitstelle die Nase gestrichen voll. Nicht, weil ihm nach und nach die Leitungen abgeklemmt werden: Der 58-jährige Nichtraucher ist leidenschaftlicher Freund einer guten Prise Schnupftabacks.

 
 

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