Leiharbeit muss die Ausnahme sein

Kreis Olpe/Rüblinghausen.  Eine ganze Fülle von Themen wurden am Samstag beim Betriebsräteempfang der IG Metall im Kreis Olpe in der Schützenhalle in Rüblinghausen angesprochen.

Deutlich wurde, dass den Gewerkschaftern nach wie vor die regionalen Probleme „Leiharbeit“ und „Mindestlohn“ auf den Nägeln brennen, aber auch die Situation in Nordafrika, Japan und die überregionale Energiefrage wurden nicht ausgeblendet.

IGM-Bevollmächtigter Georg Keppeler machte deutlich, dass die Welt im Umbruch sei . Millionen junger Menschen , beispielsweise in Nordafrika, seien ohne jede Zukunftsperspektive: „Die Politik in Europa darf diesem Elend nicht einfach zuschauen. Wir erwarten, dass alle europäischen Regierungen Verantwortung übernehmen, schnell und unbürokratisch. Wer wirklich eine Veränderung der Verhältnisse will, dem darf es nicht nur um die eigenen wirtschaftlichen Vorteile gehen, nicht nur darum, sich Öl und Rohstoffe zu sichern. Wer was verändern will, der muss die Politik verändern“, so Keppeler.

Thema „Energie“: Spätestens nach der Katastrophe in Japan gebe es nur noch eine einzige Antwort: So schnell wie möglich aus der Atomenergie aussteigen, weiter und massiver in erneuerbare Energien investieren. „Japan, die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, ist bis ins Mark erschüttert worden. Es wird lange Zeit brauchen, bis dieses große und starke Land seine alte Stärke zurückgewinnt. Noch sehen wir keine größeren Risiken, keine Produktionsausfälle für die Unternehmen im Kreis Olpe, aber wir müssen wachsam bleiben. Unsere gut aufgestellte Automobilzulieferindustrie kann durchaus auch betroffen sein“, so Keppeler.

In Deutschland habe sich die Konjunktur deutlich besser erholt als anderswo. Der Arbeitsmarkt zeige sich von einer besseren Seite. „Seien wir stolz, liebe Kolleginnen und Kollegen, dies ist zu einem ganz wesentlichen Teil unser Verdienst. Betriebsräte und Gewerkschaften haben sich konsequent für Beschäftigungssicherung eingesetzt und werden das auch weiter tun.“ Aber: Aus der Finanzkrise sei eine Schuldenkrise der öffentlichen Haushalte geworden. Die Ungerechtigkeit bei der Einkommens- und Vermögensverteilung wachse weiter. „Wir wollen, dass der Aufschwung überall ankommt! Und zwar bei uns, bei den arbeitenden Menschen.“

So habe das Deutsche Beschäftigungswunder Schattenseiten: Sieben Millionen Menschen arbeiteten im Niedriglohnsektor, Neueinstellungen erfolgten aktuell zu 43 Prozent in Leiharbeit, zu 42 Prozent befristet. Der Kreis Olpe sei ein Eldorado für die Leiharbeitsfirmen, mit mindestens 22 Büros von Verleihfirmen. Die Billig-Strategie auch der heimischen Arbeitgeber führe dazu, dass Millionen Menschen von ihrer Arbeit nicht anständig leben könnten. „Als allererstes brauchen wir flächendeckend vernünftige Mindestlöhne. Das absolute Minimum muss 8,50 Euro sein.“ Leiharbeit müsse die Ausnahme bleiben und begrenzt werden.

DGB-Regionsvorsitzender Willi Brase schloss sich der Meinung Keppelers an und sagte, dass die erfreuliche Arbeitsmarktentwicklung Licht- und Schattenseiten habe. Die Zahl der Leiharbeiter sei von September 2009 bis September 2010 um 50 Prozent angestiegen. Der DGB fordere ein aktives Bekämpfen der prekären Beschäftigung. „Wir brauchen eine starken Sozialstaat, der tatsächlichen diesen Namen verdient“, so Brase.

Zu Gast war am Samstag auch Landrat Frank Beckehoff. Er hob die von 6 auf 4,5 Prozent gesunkene Arbeitslosenquote hervor und informierte über den Stand des Automotivcenters in Attendorn, dass nach der Vergabe des dritten Sterns der Regionale bereits in Planung sei.

 
 

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