Kumpel gab Vorlage für Pornofilm

Hans Henning Claer.
Hans Henning Claer.
Foto: Privat

Bergkamen.. Beim Thema „Kohle und Kultur“ in Bergkamen darf natürlich ein Kapitel nicht fehlen: der Roman „Lass jucken, Kumpel“ des Bergmanns Hans Henning Claer und dessen spätere Verfilmung mit einigen Szenen, die damals in der Nordbergstadt gedreht wurden.

Hans Henning Claer lebte zunächst in Berlin. Er war dort Polizist und Boxer. Nachdem er nach Bergkamen gezogen war, wechselte er den Beruf. Auf Grimberg 3/4 fuhr er als Bergmann ein.

Vermutlich wäre das handgeschriebene Manuskript seines Erstlingsromans sofort wieder in der Versenkung verschwunden, wenn Hans Henning Claer es nicht zum Melzer-Verlag geschickt hätte. Dort landete das Werk auf dem Schreibtisch von Jörg Schröder, der wenig später den legendären März-Verlag gründete.

Schröder empfand, dass Hans Hennig Claer in der „Protokollsprache eines Polizeiwachtmeisters, der sich zum Schriftsteller berufen fühlte“ geschrieben hat. Er schickte ihm aber einen Brief mit der Aufforderung: „Lassen Sie doch diese gestelzte Sprache. Schreiben Sie, wie die Leute reden, die Leser wollen etwas vom Leben erfahren und nicht, ob Sie die Mittlere Reife geschafft haben.“

Bewusster Affront gegen Kulturbetrieb

Ein halbes Jahr später lieferte der Bergkamener die korrigierte Fassung. Zu diesem Zeitpunkt trug das Werk noch den Titel „Glück Auf, Kumpel“. Schröder änderte den Titel in die bekannte Fassung. Er war wild entschlossen, den Roman zu veröffentlichen, und zwar so, wie ihn Claer geschrieben hatte. Der Grund: Er wollte damals die Kulturredakteure der großen Tageszeitungen, aber auch die Schriftsteller, die sich vor 40 Jahren der sogenannten Arbeiterliteratur verschrieben hatten, provozieren.

Jörg Schröders Rechnung ging auf. Zur offiziellen Buchpräsentation in Dortmund 1971 hatten sich nicht nur Medienvertreter angekündigt, sondern auch Schriftsteller, die Hans Henning Claers Roman „auseinander nehmen“ wollten.

Doch dazu kam es nicht, wie Schröder sich erinnert. Er bat den Autor, zu dieser Pressekonferenz gleich zehn seiner Kumpel mitzubringen. Sie hätten sofort die Diskussion an sich gerissen und über die Menschen vor Ort geredet anstatt über die Romanfiguren. Dazu gab es Freibier.

Betretene Gesichter bei Filmpremiere

Noch peinlicher für die Kulturwelt war dann der Film. Mit betretenen Gesichtern haben die offiziellen Besucher aus Bergkamen der Premiere im Sommer 1972 das Kino in Unna verlassen. Während man in dem Buch mit sehr viel gutem Willen noch Elemente einer Sozialreportage entdecken konnte, so wurde aus „Lass jucken, Kumpel“ auf Celluloid ein Softpornofilm.

Während sich viele Bergkamener irgendwie ein bisschen schämten, war „Lass jucken, Kumpel“, in dem Hans Henning Claer auch als Filmschauspieler debütierte, in der Bundesrepublik ein Kassenschlager. Über vier Millionen Menschen haben ihn gesehen. Er wurde deshalb sogar mit der „Goldenen Leinwand“ ausgezeichnet. „Lass jucken, Kumpel“ war der Start einer Serie von Softpornofilmen. In einem führte die dürftige Handlung die Kumpel aus dem Ruhrpott in die sündigen bayrischen Alpen. Auch hier befand sich der Name Hans Henning Claer auf der Besetzungsliste. Claer schrieb weitere Romane wie „Das Bullenkloster“ oder „Bei Oma brennt noch Licht“. Wer sie kaufen möchte, muss in Antiquariaten suchen. Die Filme gibt es hingegen noch auf DVD als „Neuware“. Interessierte Kunden müssen aber nachweisen, dass sie mindestens 18 Jahre alt sind.

 
 

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