Kultur2010: Bibliotheken fehlt Geld für Bücher

Wolfgang Kintscher u. Holger Dumke
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Essen.  Während sich die Region gerade beim Kulturhauptstadtjahr selbst feiert, fehlt ausgerechnet an der Basis schmerzlich das Geld: Fast jede zweite kommunale Bücherei muss Mittel kürzen. Trotz hoher Verleihzahlen.

Das haben die öffentlichen Bibliotheken in Nordrhein-Westfalen so noch nicht erlebt: Obwohl sich die wirtschaftliche Lage insgesamt bessert, müssen viele Häuser weiter kräftig sparen. Fast jede zweite kommunale Bücherei (46%) kürzt ihren Anschaffungsetat, teilte der Verband der Bibliotheken des Landes Nordrhein-Westfalen gestern mit und berief sich dabei auf eine Umfrage des Deutschen Bibliothekswerks. 22% gaben demzufolge an, ihre Angebote zu reduzieren, 15% sagten, sie würden Projekte streichen.

Reduzierte Zeiten

„Dramatisch ist es, wenn etwa von den Stadtbibliotheken in Essen und Duisburg keine neuen Bücher gekauft werden können, weil keine Erwerbungsmittel zur Verfügung stehen“, so Verbandsvorsitzender Rolf Thiele. In Duisburg versucht die Bürgerstiftung zu helfen, indem sie um Buchpaten wirbt. In Essen hieß es gestern auf NRZ-Nachfrage in der Kämmerei, dass die lange auf Eis gelegten Mittel in Höhe von 560 000 Euro freigegeben werden sollen, nachdem der Stadt jetzt keine Überschuldung mehr droht.

Die Umfrage belegt laut Bibliotheksverband, dass die Büchereien in NRW im Vergleich zu den übrigen Bundesländern besonders unter den klammen Kassen der Kommunen leiden. Dauerhafte personelle Einsparungen würden von vielen Bibliotheken in großen und kleinen Städten des Landes gemeldet. Das Ergebnis seien reduzierte Öffnungszeiten und die Aufgabe von Stadtteilbibliotheken.

Laut Verband werden die NRW-Bibliotheken pro Jahr 27 Mio. Mal besucht, dabei werden 77 Millionen Medien entliehen. Damit gehörten die Büchereien zu den am häufigsten genutzten kulturellen Einrichtungen.