Kritisch wird es, wenn ein Doktor ausfällt

Hüftgelenkoperation im Kamener Krankenhaus
Hüftgelenkoperation im Kamener Krankenhaus
Foto: Ulrike Faulhaber

Kamen.. Überstunden statt Dienst nach Vorschrift, das ist Alltag für viele Klinikärzte. Alltag, der sich auf die Qualität ihrer Arbeit auswirken kann. Das Hellmig-Krankenhaus versucht das zu vermeiden und seine Ärzte nicht zu überfordern. Doch trotz aller Bemühungen ist die Ärzteknappheit „ein tagtägliches Dilemma“, sagt Norbert Vongehr, Geschäftsführer des Hellmig-Krankenhauses.

Arbeitsschutzbehörden bemängelten, dass Klinikärzte in NRW die erlaubte Arbeitszeit von höchstens zwölf Stunden teilweise erheblich überschreiten. Das Problem ist nicht neu und auch die Kamener Klinik hat zu kämpfen. Bereits vor zwei Jahren führte man dort eine Art Stechuhr für Ärzte ein, die Dienstbeginn und -ende speichert.

Die elektronische Zeitmessung hat zwar keinen direkten Einfluss auf die Arbeitsdauer - ein Arzt wird nicht außer Dienst genommen, sobald er länger als zwölf Stunden arbeitet. Aber das Hellmig-Krankenhaus wertet die Daten aus und sieht so, in welcher Abteilung es wann zu Engpässen gekommen ist, wo sie vielleicht sogar die Regel sind. Dort versucht man den Arbeitsalltag zu ändern. Das kann bedeuten, die Besetzung einer Abteilung zu optimieren, Arbeitsabläufe zu straffen oder ein anderes Modell für die Arbeitszeiten zu finden.

„In den meisten Bereichen klappt das“, versichert Vongehr. Kritisch wird es aber schon, wenn ein Arzt ausfällt. Dann muss die Klinik schon mal Honorarärzte anwerben, also Ärzte von außerhalb, die vorübergehend in Kamen einspringen - in der Regel gegen bessere Bezahlung. Nach Möglichkeit vermeide man das, sagt Vongehr, denn es ist immer besser, wenn die Ärzte im Betrieb eingearbeitet sind. Doch manchmal gibt es keine Alternative zu den teureren Honorarärzten.

Bei weitem nicht die komplette Dienstzeit geht für die Arbeit am Patienten drauf. Zum Ärztejob gehört auch Bürokratie. Ein Zeitfresser, an dem sich schwer sparen lässt, wie Vongehr erklärt. Denn ein Gutteil der Schreibarbeit ist vom Gesetzgeber vorgeschrieben, außerdem haben die Patienten Anspruch auf eine vollständige Akte und: „Was nicht dokumentiert ist, wird auch nicht honoriert.“

An den Untersuchungen möchte das Hellmig-Krankenhaus trotzdem nicht sparen, doch hin und wieder wird auch hier Zeit abgeknappst, räumt Vongehr ein. „Aber dort zu sparen ist unglücklich.“ Lieber verkürze man Sitzungen oder lasse sie ganz ausfallen, bevor der Patient zu kurz kommt.

Stellen sind
knapp kalkuliert

Vongehr erläutert, dass am Hellmig-Krankenhaus 38 Ärzte arbeiten. Doch das ist knapp kalkuliert, wie der Einsatz von Honorarärzten zeigt. Wie viele Stellen man mehr bräuchte, um ein Arbeiten ohne viele Überstunden zu ermöglichen, könne er nicht beantworten. „Mehr wäre immer gut, aber die Stellen müssen sich ja auch refinanzieren.“ Aus den roten Zahlen ist das Hellmig-Krankenhaus aber raus. Die Beschäftigten, die über Jahre auf einen Teil der Sonderleistungen, wie etwa Weihnachtsgeld, verzichtet haben, werden ab 2011 wieder nach Tarif bezahlt.

 
 

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