Kriegspielen für Fortgeschrittene

Foto: ddp

Essen. Vermummte Gestalten schießen mit Waffen aufeinander. Kriegsszenerie? Nein, Paintball. Weil dabei das Töten geübt wird, soll der „Sport“ jetzt verboten werden. Keine schlechte Idee.

Ein junger Mann geht hinter einer Mauer in Deckung. Er ist mit einer schwarzen Maske vermummt, trägt Tarnklamotten, wirkt aggressiv. Dazu der Matrix-Soundtrack „Clubbed to Death“. Dann zieht er eine Waffe und schießt. Gut, es ist natürlich keine echte Waffe, die der Vermummte lädt. Es ist eine Paintball-Luftdruckwaffe – und der Mann schießt mit Farbmunition. Doch die Szene in dem YouTube-Video „Paintball Germany“ sieht nach Kriegsgebiet aus und wirkt bedrohlich.

Jetzt soll Paintball im Zuge einer Verschärfung des Waffenrechts verboten werden. Wenn man sich das Video anschaut, ist das vielleicht keine schlechte Idee. Männer laufen durch Baracken, legen Waffen an – und schießen aufeinander. Das ist Kriegspielen für Fortgeschrittene. Sicher, dass Kinder Krieg spielen, ist nichts Neues. Das gab es schon immer. Aber bei Paintball erreicht das „Cowboy und Indianer“-Gehabe durchaus eine andere Dimension. Deswegen ist es ja auch erst ab 18 erlaubt.

Fakt ist: Mit Farbpatronen wird auf Menschen gezielt und auf Menschen geschossen. Das muss für alle, die tatsächlich im Krieg waren, ein Hohn sein. Beim Paintball werden lediglich Verletzungen in Kauf genommen, denn dicke blaue Flecken gehören dazu. Vielleicht jedoch wird durch diese Nähe zur Kriegsrealität die Schwelle zum Gebrauch einer echten Waffe tatsächlich niedriger. Beim Paintball werde das Töten geübt, lautet die Begründung des skeptischen Gesetzgebers für das Verbot.

Der Amokläufer von Winnenden, Tim K., soll laut Zeugenaussagen mitunter an Paintball-Spielen teilgenommen haben. Ganz sicher aber war er passionierter Softair-Schütze. Ob der „Sport“ überhaupt mit seiner Tat in Zusammenhang steht, wird man wohl nie herausfinden. Sicherlich gibt es nicht DEN Auslöser für eine so schreckliche Tat. Nicht jeder, der Paintball oder Softair-Waffen spielt, gerät in Gefahr, Amok zu laufen. Mängel in der Erziehung, ein gewaltbereites Umfeld, vielleicht auch Killerspiele sind weitere Faktoren. Aber das Verbot von Paintball gehört ja schließlich zu einem Gesamtpaket, das auf die Verschärfung des Waffengesetzes abzielt. Ein Schritt in die richtige Richtung.

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