Kreuzdumm und unmoralisch

Jan Jessen

Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis irgendwer im Maschinenraum der Steuerbürokratie auf diese Idee kommen musste: Freiwilligendienste gehören besteuert. Aus bürokratischer Sicht ist das völlig plausibel. Menschen verdingen sich aus freien Stücken bei einem Arbeitgeber – in diesem Fall beim Staat oder Wohlfahrtsverbänden – und erhalten dafür Geld. Also sind sie steuerpflichtig; was schon eine Frage der Steuergerechtigkeit ist.

Trotzdem war klar, dass eine solche Forderung einen Sturm der Entrüstung auslösen würde. Das hängt mit zwei unterschiedlichen Dingen zusammen: Der nahezu ehrenamtliche, weil nur mit einem Taschengeld abgespeiste Bundesfreiwilligendienst gilt als Musterbeispiel gesellschaftlichen Engagements. So etwas darf kein Staat besteuern, das ist eine Frage der Moral; selbst wenn nur wenige Bufdis betroffen wären.

Anders sieht’s bei den freiwillig Wehrdienstleistenden aus. Sie verdienen nicht üppig, aber im Vergleich zu den Bufdis auch nicht schlecht – immerhin bis zu knapp 1150 Euro im Monat. Sie zu besteuern wäre nicht unmoralisch, aber kreuzdumm. Jedenfalls, wenn nicht der Sold erhöht wird. Ansonsten würde die Bereitschaft, sich freiwillig zu verpflichten, noch geringer werden, als sie es eh schon ist.