Kreis soll seine Kliniken retten

die Märksichen Kliniken, hier am Hauptsitz in Lüdencheid, schließen  das Jahr 2011 voraussichtlich mit einem Minus von 5,7 Millionen euro ab. Foto: Büdenbender
die Märksichen Kliniken, hier am Hauptsitz in Lüdencheid, schließen das Jahr 2011 voraussichtlich mit einem Minus von 5,7 Millionen euro ab. Foto: Büdenbender
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Märkischer Kreis.. 5,7 Millionen Euro: um diese Zahl drehte sich am Donnerstag die Sitzung des Kreisausschuss es – allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Der ärztliche Geschäftsführer der Märkischen Kliniken, Dr. Bernhard Schwilk, stand den Politikern Rede und Antwort zum Finanzloch, das sich bei der kreiseigenen Klinikgesellschaft im März überraschend aufgetan hatte.

Eine Frage blieb allerdings unbeantwortet: Wer soll das Loch stopfen? „Erster Ansprechpartner ist sicherlich der Kreis als Eigentümer“, sagte Detlef Seidel, Vorsitzender von CDU-Fraktion und Klinik-Aufsichtsrat. Wie der Kreis den Kliniken aus der Patsche helfen kann, ließ er offen.

Zunächst war von 4 Millionen Euro Defizit die Rede; gestern bestätigte Schwilk die seit Anfang Mai kursierende Zahl von 5,7 Millionen – und zwar nur für das Klinikum Lüdenscheid. Für den Gesamtkonzern, die Märkische Gesundheitsholding, führt das laut Schwilk zu mehr als 3 Millionen Euro Defizit.

Mitte Juli, wenn die Wirtschaftsprüfer ihre Arbeit erledigt haben und der Klinik-Haushalt verabschiedet sei, werde sich zeigen, ob die Zahl korrigiert werden müsse – in welche Richtung auch immer, so Aufsichtsrats-Vorsitzender Detlef Seidel vor der gestrigen Sitzung.

Über die Gründe für die finanzielle Schieflage der Kliniken mit den Standorten Lüdenscheid, Letmathe und Werdohl wird derweil munter spekuliert. Selbst vom Versagen des Aufsichtsrates und der Falschinformation durch die Geschäftsführung ist die Rede.

Es gibt viele Einzelgründe, sagt Seidel. Einer seien die Honorare der Freelancer – freiberufliche Ärzte, die für rund 1000 Euro Tageshonorar eingekauft werden, weil sich Klinikärzte nicht dauerhaft in der Region niederlassen wollen.

FDP-Chef Axel Hoffmann hatte das Thema auf die Tagesordnung gebracht. Noch am 8. Dezember seien dem Kreisausschuss viel bessere Zahlen genannt worden als nun bekannt wurden. Aber: „Als Geschäftsführer würde ich mich weigern, Geschäftsgeheimnisse preiszugeben“, rechtfertigt Hoffmann die Behandlung in nicht-öffentlicher Sitzung.

Dem Antrag der Linken, die Sache öffentlich zu diskutieren, mochte niemand folgen. „Es geht doch um Interna“, war Detlef Seidel mit Angelika Machelett einig. „Wir müssen erstmal Informationen haben und verarbeiten“, so die Vorsitzende der SPD-Fraktion. Erst dann könne man sehen, „wie der Märkische Kreis den Kliniken helfen kann oder muss“. Ziel sei es, die Kliniken in öffentlicher Hand zu halten und eine Privatisierung abzuwenden, verweist Machelett auf den erklärten Willen des Kreistages. Es sei geplant, im Juni im Kreistag „über einen Betreuungsakt die Voraussetzung für eine Bürgschaft zu schaffen und zu nutzen“, berichtet MK-Sprecher Hendrik Klein aus der Sitzung.

Für das laufende Jahr rechnet die Klinikleitung mit deutlich besseren Ergebnissen. Aktuell erwartet Dr. Bernhard Schwilk für 2012 einen Fehlbetrag von 1,4 Mio. Euro für das Klinikum Lüdenscheid. Im Konzern ergebe das voraussichtlich eine „schwarze Null“. Die Geschäftsführung arbeite mit der Unternehmensberatung Roland Berger an einem Sanierungskonzept.

 
 

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