Kraft fordert „Gratis-Essen statt mehr Kindergeld“

Wilfried Goebels
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Düsseldorf. NRW-Regierungschefin Hannelore Kraft setzt sich für einen Grundleistungskatalog für Kinder aus Hartz-IV-Familien ein. Dazu könnten auch Sportkleidung und Instrumente gehören.

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) fordert einen Grundleistungskatalog für Kinder aus Hartz-IV-Familien. „Dazu gehören ausreichend Kita-Plätze, Ganztagsangebote, warme Mittagessen und kostenloser Zugang zu Sport und Kultur“, sagte Kraft im Interview mit der Westfalenpost. „Im Gegenzug sollte man künftig auf Kindergeld-Erhöhungen verzichten.“

Aus Sicht Krafts müssen auch Kinder aus Einkommensschichten über Hartz-IV von dem Umsteuern profitieren. „Wir müssen endlich an die Grundstrukturen heran“, sagte Kraft. Wer jetzt in Kinder investiere, verhindere später auch einen Fachkräftemangel. „Ich würde sogar so weit gehen, Schülern auch Sportkleidung und Instrumente zur Verfügung zu stellen, damit sie von Anfang an richtig gefördert werden“, sagte die Ministerpräsidentin.

Rekordverschuldung verteidigt

Kraft verteidigte die geplante Rekordverschuldung in NRW. „Wir müssen jetzt den Mut haben, längerfristig zu denken.“ Wenn NRW den Haushalt dauerhaft sanieren wolle, müssten vor allem die sozialen Reparaturkosten gesenkt werden. „Das kostet erst einmal Geld. Aber keine Sorge, wir werden 2011 auch Einsparungen im Haushalt vornehmen.“ Nach Angaben Krafts hat die Vergangenheit gezeigt, dass immer neue Stellenstreichungen im öffentlichen Dienst und Sozialkürzungen nicht zu konsolidierten Haushalten führen.

Kraft kündigte eine Akzeptanzinitiative an, um wieder eine positive Grundstimmung für die Industrie zu erzielen. Künftig sollen Betroffene, Politik und Industrie in NRW schon in der Planungsphase von Projekten zusammengebracht werden. „Man muss den Bürgern auch erklären, was es für den Standort NRW bedeutet, wenn Jobs in der Industrie weg brechen“, sagte Kraft.