Krähenplage schadet Landwirten in Halver

Krähen klauen Landwirten das Saatgut.
Krähen klauen Landwirten das Saatgut.
Foto: WR/Büdenbender
Zu Hundertenten fallen Krähen über Silos von Landwirten her und stehlen Saatgut. Der Schaden, den die Landwirte dadurch erleiden, lässt sich noch nicht beziffern. Die Politik sieht jedoch noch keinen Grund, das Jagdverbot für die Raubvögel zu lockern.

Halver.. Sie kreisen oft im Dutzend am Himmel und vertreiben selbst Greifvögel aus ihrem Revier: Krähen. Die großen, schwarzen Vögel werden inzwischen zur Plage für Landwirte.

Trotz starker Klagen der Bauern sieht die Politik, allen voran NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne), derzeit noch keinen Grund dafür, das Jagdverbot für die Rabenvögel zu lockern.

Der Schaden ist von Hof zu Hof unterschiedlich

Auch Thomas Witthege, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Halver, sieht die Probleme, die die Vögel verursachen. „Natürlich ist der Schaden von Hof zu Hof sehr unterschiedlich – je nach Attraktivität für die Krähen“, berichtet er. „Viele Berufskollegen klagen über die Plage.“

Dabei fürchtet Witthege weniger den Schaden, den die Vögel auf dem Feld anrichten, als die Beeinträchtigungen auf den Höfen. „Die Krähen haben es ganz besonders auf die Rundballen abgesehen. Sie haben sich regelrecht darauf spezialisiert, die Folien, die die Ballen umschließen, zu zerreißen.“ Zwar finden die Vögel unter dieser Folie nichts für sie Fressbares, aber die Zerstörung scheint ihnen einfach Spaß zu machen. „Innerhalb eines Tages können sie dabei einen riesigen Schaden anrichten“, weiß Witthege. „Deshalb müssen diese Rundballen auch so schnell wie möglich vom Feld geholt und auf dem Hof mit einem speziellen Vogelgitter abgedeckt werden.

"Die Vögel kommen zu Hunderten"

Einer der Leidtragenden der Krähenplage ist Horst Höfer. Der Landwirt lagert für seine Milchkühe Mais im Silo ein. „Die Vögel kommen zu Hunderten und fallen in mein Futter ein. Täglich fressen sie mir mindestens eine Schubkarre voller Mais weg“, ärgert er sich. Dabei ist der reine Futterverlust dabei nicht einmal das größte Problem. „Wenn sie hier im Silo rumgraben, lockern sie die Vorräte. Dabei kommt Luft unter den Mais, er wird warm und verfault“, erläutert der Landwirt. Den genauen Schaden kann er dabei noch gar nicht beziffern.

Beide Bauern sehen nicht nur die Probleme, die die Krähen auf ihren Höfen verursachen, sondern sie beobachten auch die Auswirkungen auf die Natur. „Es sind definitiv in den letzten Jahren viel mehr Krähen geworden“, erklären Witthege und Höfer übereinstimmend. „Das ist auch für die Natur ein großes Problem.“

Junghasen und Vogelbrut sowie andere Kleintiere werden von den Krähen, die inzwischen keine eigenen natürlichen Feinde mehr haben, gejagt. Die Landwirte plädieren somit dafür, dass der Mensch dafür sorgen muss, ihrer Verbreitung Grenzen zu setzen. „Allerdings wird das gar nicht so einfach“, ist sich Witthege sicher. „Das sind intelligente und anpassungsfähige Tiere. Eine Bejagung, wenn sie denn erlaubt würde, wäre gar nicht einfach.“

Junggesellen-Schwärme

Ob eine gezielte Abschusserlaubnis die Plage stoppen würde, ist auf jeden Fall nicht gesichert. Fachleute wie der Ornithologe und Evolutionsbiologe Josef H. Reichholf meinen, dass die Vögel mit erhöhter Fortpflanzung auf eine verstärkte Bejagung reagieren würden. So genannte „Junggesellen-Schwärme“, die bis zu einer Dezimierung des Bestandes kein eigenes Revier hätten, bekämen dann ihre Chance zum Brüten, und so würde das Defizit schnell durch die Vögel wieder ausgeglichen.

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