Kosovarischer Kronzeuge in Duisburg tot aufgefunden

„Zeuge X“ ist tot. Er sollte in Den Haag gegen einen Verantwortlichen des Kosovo-Krieges aussagen. Das kann er jetzt nicht mehr. Er starb am Dienstag in Duisburg-Homberg. Der Mann soll Selbstmord begangen haben.

Duisburg. Ein wichtiger Zeuge in einem Verfahren um Kriegsverbrechen im Kosovo ist tot in Duisburg gefunden worden. „Zeuge X“ war sein Deckname, erst nach seinem Tod am Dienstag wurde seine Identität bekannt: Agim Zogaj wollte aussagen gegen den kosovarischen Abgeordneten und Ex-Verkehrsminister Fatmir Limaj, seinen ehemaligen Kommandanten während des Kosovo-Krieges 1998 bis 1999.

Ihm werden Mord, Folter und Vergewaltigungen vorgeworfen. In Den Haag angeklagt sind Fälle in einem Gefangenenlager der Kosovarischen Befreiungsarmee (UCK) im Dorf Klecka. Limaj war bereits 2007 einmal freigesprochen worden, erst die Aussage des Schlüsselzeugen Zogaj eröffnete die Möglichkeit einer neuen Anklage. Limaj, der der regierenden Partei angehört, war vergangene Woche unter Hausarrest gestellt worden. Mit ihm sind neun weitere Personen angeklagt.

Toter war in Zeugenschutzprogramm

Örtlichen Medienberichten zufolge war Agim Zogaj in ein Zeugenschutzprogramm der EU-Polizei- und Justizmission im Kosovo (Eulex) aufgenommen und außer Landes gebracht worden – offenbar nach Duisburg. Verwandte des Zeugen sagten, er habe hier medizinisch behandelt werden sollen. Er hätte theoretisch auch in Deutschland rund um die Uhr beschützt werden sollen.

Der Pressesprecher der Duisburger Polizei, Ramon van der Maat, bestätigte den Tod des Mannes. Gefunden wurde er am Dienstagabend um 23.50 in einem Park am Essenberger See im Stadtteil Homberg. Er soll Selbstmord begangen haben. Am Dienstag hatten Verwandte die Polizei benachrichtigt, dass Agim Zogaj per SMS seinen Suizid angekündigt habe. „Daraufhin haben wir drei Stunden nach ihm gesucht“, so van der Maat. „Als wir ihn fanden, war er allerdings bereits tot ... Nach der Obduktion der Leiche haben wir auch nicht den geringsten Hinweis auf ein Fremdverschulden gefunden.“

Spekulationen um Mord

Im Kosovo schießen nun natürlich die Spekulationen um einen Mord ins Kraut. Doch auch wenn der Fall politisch brisant ist – van der Maat spricht von eindeutigen Ergebnissen: „Auch die Auffindesituation und das Obduktionsergebnis deuten auf Selbstmord hin.“ Gleichwohl wollte die Polizei keine Auskunft über die genauen Todesumstände geben – bei Selbstmorden sei dies nicht üblich. Die Ermittlungen sind für sie damit abgeschlossen. Auch das Bundeskriminalamt erteilt keine weiteren Auskünfte.

Ob der Prozess gegen Fatmir Limaj weitergeführt werden kann, ist offen. Die Ermittler haben immerhin ein siebenstündiges Video seiner Aussage, Teile davon sind schon an die Medien gesickert.

 
 

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