Knochenjob der Putzfrauen wird kaum gewürdigt

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Halver. Wenn die Schulglocke am Berufskolleg in Halver das Ende des Schultages verkündet, beginnen Valentina Sajzev und ihre Kolleginnen mit dem Wischen, Wienern und Saugen. Zwei Stunden sind dafür veranschlagt. Der Knochenjob wird nicht genug gewürdigt. Deshalb gibt es den Tag der Putzfrau.

Es schellt. Schulschluss. Die Schüler stürmen raus, Valentina Sajzev rückt an. Eine blaue Trommel, die sie hinter sich herzieht, schluckt, was die Schüler zurückgelassen haben: Staub, Schnipsel, Büroklammern. Mit ihren Kolleginnen sorgt sie im Eugen-Schmalenbach-Berufskolleg in Halver-Ostendorf dafür, dass Schüler und Lehrer morgens in sauberem Umfeld arbeiten können. Zwei Stunden sind dafür vorgesehen. „Das ist genug“, sagt die ehemalige Buchhalterin, die vor 11 Jahren mit ihrer Familie von Russland nach Halver kam.

Möglichst effektiv und schnell muss insbesondere in großen Gebäuden geputzt werden. Da machen die schweren Maschinen, die zum Einsatz kommen, die Arbeit schnell zum Knochenjob. Ganz zu schweigen von der Wertschätzung, die der Tätigkeit entgegen gebracht wird. Die ist allerdings eine Frage des Blickwinkels. Der internationale Tag der Putzfrau am 8. November soll das Ansehen verbessern.

Seit neun Jahren arbeitet Valentina Sajzev bei der Gebäudereinigungsfirma im Märkischen Kreis. Ihr Stundenlohn beträgt 8,15 Euro. „Das ist nicht wenig“, findet die vierfache Mutter. Im Gegensatz zu vielen Berufskolleginnen arbeitet sie auf Steuerkarte. Neben der Schule in Ostendorf putzt sie noch in Gewerbeobjekten. So summiert sich ihr Hinzuverdienst zum Familieneinkommen auf 600 bis 700 Euro.

Arbeit folgt einem festen Schema

Die Arbeit folgt einem festen Schema. „Die Mülleimer müssen täglich geleert werden“, erzählt die 43-Jährige. Auch die Toiletten müssen täglich geschrubbt werden. Die Klassenräume sind jeweils an jedem zweiten Tag an der Reihe, je nach Bodenbelag wird gesaugt oder gewischt. Die Stühle sollen eigentlich von den Schülern hoch gestellt werden. Nicht alle halten sich daran.

„Das können dann eben die Atta-Girls machen“, meinte Sajzevs Kollegin Elke Scherf. „Die Arbeit einer Putzfrau wird nicht genug gewürdigt“, so ihre Erfahrung. Im Bekanntenkreis spricht sie nicht gern über ihren Beruf. „Das ist so`ne Frauenarbeit. Da ist man nicht so geachtet“, fügt sie hinzu. Als Alleinverdienerin ist sie dankbar, wenn sie zusätzliche Vertretung übernehmen kann.

Allerdings sieht sie auch Vorteile: „Man hat Bewegung bei der Arbeit. Das ist besser als am Fließband“, sagte Elke Scherf. 12863 Quadratmeter gilt es in Ostendorf zu reinigen. Auf großen Flächen kommt statt des Wischmops die Reinigungsmaschine zum Einsatz. „Das gibt Muckies“, lacht Elke Chmielewski. „In welchem anderen Job hätte ich in meinem Alter denn eine Chance, `ne Stelle zu kriegen?“, fragt die 58Jährige.

Kranken- und Urlaubsgeld sind Seltenheit

Ihr ist durchaus bewusst, dass viele Arbeitnehmer von Kurzarbeit oder sogar Kündigung betroffen sind. Für sie ist klar: „Geputzt werden muss überall.“ Angst vor zuviel Konkurrenz hat sie nicht. „Putzen will ja keiner“, sagt Chmielewski und ergänzt: „Ich will nicht den ganzen Tag zuhause sein.“ Im Gegensatz zur Arbeit bei Leihfirmen, erhalten die Gebäudereinigerinnen im Berufskolleg in Halver das Kranken- und Urlaubsgeld.

Die Frauen im blauen Kittel können eine lange Liste erstellen mit Fundstücken, die Schüler liegen ließen. Handys, Taschenrechner, Regenschirme, Brieftaschen mit Führerschein, Geld und Versicherungskarte hätten sich die Besitzer später im Sekretariat wieder abholen dürfen. „Zu Weihnachten bekommen wir Pralinen als Dankeschön“, sagt Valentina Sajzev bevor sie mit ihrem Putzwagen im nächsten Klassenraum verschwand.

 
 

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