Klimawandel kommt der Kultur in die Quere – Fans hoffen auf besseres Wetter

Jörg Jung
Luxuslärm & friends im Sauerlandpark:
Luxuslärm & friends im Sauerlandpark:
Foto: IKZ/ Engel

Märkischer Kreis.  Sintflutartige Regenfälle, golfballgroße Hagelkörner, Blitze im Sekundentempo – Extremwettersituationen sind im Kreis inzwischen schon fast zur Normalität geworden. Für Veranstalter wird der Klimawandel mittlerweile zu einem ernsten Problem: Nach dem AOK-Firmenlauf musste jetzt mit dem Radio MK-Festival eine zweite Großveranstaltung kurzfristig abgesagt werden – aus Angst vor dem Wetter.

Angesichts einer „95-prozentigen Regenwahrscheinlichkeit gepaart mit schweren Gewittern“ sei eine sichere Veranstaltung nicht möglich, heißt es in einer Stellungnahme des Veranstalters. Neben der Sorge, dass Besucher der Open-Air-Veranstaltung vom Blitz getroffen werden könnten, die bereits in Lüdenscheid zur Absage des Firmenlaufs geführt hatte, kam diesmal ein weiteres Problem hinzu: „Der dauernde Regen der letzten Tage hat das Erdreich dermaßen aufgeweicht, dass wir nicht guten Gewissens unsere schweren Bühnenelemente im Floriansdorf aufbauen können“, erläutert Radio MK-Chefredakteur Holger Jahnke.

Ein Unwetter über Lüdenscheid ließ den AOK-Firmenlauf ins Wasser fallen. Auf Rathaus- und Sternplatz musste wieder alles abgebaut werden. Foto: Martin Büdenbender Veranstalter entscheidet

In der vergangenen Woche hatte es die Fans von Luxuslärm im Sauerlandpark getroffen. Mitten auf dem Höhepunkt des Konzertes mussten die mehr als 3000 Fans kurzfristig in die Veranstaltungshalle hinter der Open-Air-Bühne evakuiert werden. „An diesem Tag sollte ein Unwetter zwei, drei Kilometer entfernt vorbeiziehen, doch dann drehte der Wind“, erläutert der Leiter der Eventabteilung, Oliver Geselbracht den Hintergrund der Entscheidung.

Dabei kam den Veranstaltern natürlich das großzügige Raumangebot des Parks zu Gute. „Bis zu 4500 Menschen“, so die Schätzung von Geselbracht, könnten theoretisch kurzfristig in der Halle und den alten Kasernengebäuden untergebracht werden. Bei einem ausverkauften Platz mit 10 000 Besuchern wäre allerdings auch in Hemer Schluss. „Da muss man dann entscheiden, ob man unterbricht, oder abbricht.“

Die Entscheidung darüber und damit auch die Verantwortung liegt beim Veranstalter. Bei Großveranstaltungen hilft dabei die Feuerwehr. „Die hat entsprechende Apps auf dem Handy und beobachtet die ganze Zeit das Wetterradar“, berichtet Geselbracht, der trotzdem am Ende alleine entschied, das Konzert zu unterbrechen. Die Einschätzung der Feuerwehr, dass das Gewitter knapp vorbei zöge, sei ihm zu unsicher gewesen, erinnert sich der Eventchef des Parks.

Was passieren kann, wenn der Veranstalter die falsche Entscheidung trifft, zeigte sich am 1. Juli in Sachsen. Beim alljährlichen With Full Force-Festival in der Nähe von Leipzig schlug ein Blitz in einen Masten in der Nähe der Bühne ein. 51 junge Metalfans, die unter einer Plane Schutz vor dem Regen gesucht hatten, wurden zum Teil schwer verletzt.