Kinderärzte meiden ärmere Stadtteile

Tobias Blasius
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Düsseldorf. Kinderärzte im Ruhrgebiet bevorzugen als Praxisstandorte einkommensstarke Gegenden und meiden soziale Brennpunkte. Das will NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens in Zukunft ändern.

Kinderärzte im Ruhrgebiet bevorzugen als Praxisstandorte einkommensstarke Gegenden und meiden soziale Brennpunkte – diese regionale Schieflage alarmiert die Landesregierung. NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) fordert stärkere Mitsprache der Länder bei der Bedarfsplanung für Kinderarztpraxen, damit sich wieder mehr Mediziner in sozialschwachen Stadtteilen niederlassen.

„Wenn die Zulassungsbezirke für be­stimmte Fachärzte zu groß ge­schnitten sind, kommt es in­nerhalb der Städte zu einer Konzentration der Praxen in einkommensstarken Wohngegenden mit mehr Privatpatienten und zu einer Unterversorgung in eher schwierigen Vierteln. Hier brauchen die Länder bessere Steuerungsmöglichkeiten“, so Steffens zur WAZ. Als besonders eklatant ist die Lage in Essen: Im sozial schwächeren Norden der Stadt müssen sich zum Teil 2800 Kinder einen Arzt teilen, im wohlhabenden Bredeney kommen 386 Kinder auf einen Mediziner.

Am Bedarf vorbei

Die Verteilung geht offenbar am Bedarf vorbei: Eine Studie des städtischen Gesundheitsamt hatte jüngst er­geben, dass arme Eltern auffallend seltener mit ihren Kindern zu Vorsorgeuntersuchungen gehen. Ähnliche Ungleichgewichte gibt es laut Ministerium auch in Dortmund und Duisburg sowie in Teilen von Köln.

Ärztekammer und Krankenkassen verweisen darauf, dass man nur den Versorgungsgrad der gesamten Stadt betrachte und den Medizinern nicht vorschreiben könne, in welcher Gegend sie sich niederließen. Bei der bundesgesetzlich geregelten Bedarfsplanung von Arztpraxen haben die Länder bislang keine Mitsprache. Auf Druck der Gesundheitsministerkonferenz der Länder will Bundesgesundheitsminister Rösler (FDP) eine Arbeitsgruppe einrichten. Die bisherigen Planungsbezirke sollen „relativ schnell“ überarbeitet werden.

Steffens plädiert zudem da­für, beim Kampf gegen den re­gionalen Ärztemangel die Ho­norarordnung stärker in den Blick zu nehmen: „Wir werden nur dann etwas verändern, wenn die sprechende Medizin, das intensive Kümmern oder der Hausbesuch anders honoriert werden. Dann wird es für Ärzte attraktiver, sich in schwierigerem Umfeld niederzulassen.“