Kein Anlass zur Entwarnung – von Dietmar Seher

Dietmar Seher

Hamburgs Seuchenfahnder schienen gestern dem Land den Stoff der Erlösung zu liefern: Gurken haben die gefährlichen Ehec-Erkrankungen ausgelöst. Jetzt muss man sie nur eine Weile aus der Küche verbannen. Spanische waren es überdies, keine deutschen. Das beruhigt zudem noch unsere Bauern. Dass die Republik von Flensburg bis Füssen einen Moment aufgeatmet hat, ist verständlich. Unbekannte Gefahren machen Angst. Leider ist in Wahrheit wenig klar. Das Entwarnen kam zu früh.

Zu viele Fragen sind offen: Ja. Hamburger Gurken sind mit dem Erreger behaftet. Aber können sie im Produktionsprozess nicht irgendwann/irgendwo „unterwegs“ infiziert worden sein? Wie kommt es zu der außergewöhnlichen regionalen Verteilung der Erkrankungen? Nur per Gurke? Wieso benimmt sich ein Erreger gegen Erwachsene so aggressiv, der immer vor allem Kinder krank machte, sie meist aber schnell gesunden ließ?

Für die Einwände gibt es längst keine Antworten. Äußerungen kompetenter Ärzte und Forscher beunruhigen, wenn sie von ihrer seit langem größten beruflichen Herausforderung sprechen. Die Sache ist nicht zu Ende. Da ist nur ein Zipfel. Jetzt bedarf es der Koordination der Fahndung. Muss nicht Herr Bahr, der neue Gesundheitsminister in Berlin, überkommen mit seiner Krisenrunde?

Dem Bürger bleibt zunächst: weiter Gemüse waschen. Mehr als bisher.