Kathrin Heinrichs setzt auf Hobby-Ermittler

Ursula Dettlaff
Die Bücher der Autorin Kathrin Heinrichs kennen bereits viele Halveraner. Mit ihrer Lesung im Kulturbahnhof vergrößerte die Mendenerin ihre Fangemeinde.
Die Bücher der Autorin Kathrin Heinrichs kennen bereits viele Halveraner. Mit ihrer Lesung im Kulturbahnhof vergrößerte die Mendenerin ihre Fangemeinde.
Foto: Ursula Dettlaff

Halver. Die Autorin und Kabarettistin Kathrin Heinrichs hat in Halver schon eine feste Fangemeinde. Das zeigte die Resonanz auf ihre Lesung im Kulturbahnhof. Etwa 60 Besucher, etliche davon bereits „Heinrichs-Leser“ folgten dazu der Einladung der Stadtbücherei.

Hier lernten sie Vincent Jakobs, den Rheinländer, den es ins Sauerland verschlagen hat, kennen und schätzen. Die Lesung, bei der die Autorin Geschichten mit Wiedererkennungswert vortrug, geriet für das Publikum zu einem echten Angriff auf die Lachmuskeln. Gebürtig käme sie aus Langenholthausen, so die Autorin. „Das ist, wenn man zur Sorpe fährt und sich dann verfährt“, lieferte sie eine präzise Wegbeschreibung.

Mit einem Auszug aus einem früheren Buch stellte Heinrichs denen, die den Protagonisten nicht kannten, Jakobs erst einmal vor. Jakobs ist bei der Familie seiner Freundin Alexa zum Essen eingeladen. Mit herrlich sauerländischem Zungenschlag gab Heinrichs die Ommma (im Sauerland mit drei m gesprochen). Die alte Dame beäugte den Gast, dem das Essen nicht zu schmecken schien, ausgesprochen skeptisch. Heinrichs übernahm gleich mehrere Sprechrollen. Und geredet wurde viel in dieser Szene. Bloß eben Vincent kam nicht zu Wort. Erst als schließlich das Essen auf seinem Teller kalt war, gelang es ihm, mitzuteilen, dass er kein Besteck hatte. In seinem achten Fall begleitet Vincent seinen Sohn Paul zum Fußballspiel. „Paul bekam eine Position auf der er nicht viel anrichten kann“, las Heinrich. Das Publikum lachte leise, als sie weiter las: „ Ich hab kein Mal den Ball gehabt` ,sagte der Filius betrübt und das beruhigte mich ein wenig.“ Jakobs Nachbarin Wilma (eigentlich Wilma Waltraud) Wortmann wünscht man eigentlich nur unangenehmen Zeitgenossen. Mit der Bemerkung „Mein Fernseher ist kaputt“, schlug sie genau in dem Moment bei Jakobs auf, als die Länderspielübertragung begann.

Heinrichs bewies an dieser Stelle, dass sie den regionalen Dialekt auch perfekt mit imaginären Chips im Mund beherrscht. – Zum Vergnügen des Publikums. Mit ihrem fundierten Sportkommentar sprach Wilma jedenfalls vielen aus der Seele: „Ich frage mich, warum die Deutschen immer in Weiß spielen. Seht euch die Grasflecken an. Das geht doch im Leben nicht raus“, sagte sie. Aus Kurzgeschichte kennen Heinrichs-Leser auch Nelly. Durch sie machte das Publikum Bekanntschaft mit Ü40 Zahnpasta und Frauen, „die glauben, dass Wort Muttivation käme von Mutti“. Beim Abschlussball ihrer Kinder machte die Protagonistin die betrübliche Erfahrung, dem eleganten Kleid etwas entwachsen zu sein. „Im grasgrünen Cocktailkleid sah sie aus wie ein explodierender Frosch – kein schönes Bild.“ Der Abend bot gute Unterhaltung. Was sagte am Ende eine lachende Besucherin: „Ich hätte so gern noch etwas von der Lehrerfrau Helga gehört.“ Bleibt also zu hoffen, dass dies nicht der letzte Auftritt der Mendenerin Kathrin Heinrichs in Halver war.