Käserei stellt Produktion ein

Die Hofkäserei schließt.
Die Hofkäserei schließt.
Foto: Ina Hornemann

Wiblingwerde/Veserde.  Käsespezialitäten aus der Bio-Hofkäserei Märkischer Landmarkt gibt es nicht mehr: Geschäftsführer Ralf Lottmann hat die Produktion eingestellt. Der Bochumer Unternehmensberater übernahm im August 2008 die Leitung des ambitionierten Bio-Projekts.

Käserin Cora Tauber wickelte in den letzten Tagen noch die restlichen Arbeiten ab. Jetzt muss sie sich eine neue Stelle suchen. Die Einrichtung steht laut Auskunft des Geschäftsführers ab sofort zum Verkauf.

Die Milch für den Hinterveserder Käse ist vom benachbarten Biohof Spelsberg gekommen. Genau hier habe zuletzt das für die Schließung ausschlaggebende Problem gelegen, erklärt Geschäftsführer Lottmann. Der Hof habe bei den benötigten Milchmengen nicht flexibel genug reagieren können. „Mal brauchen wir mehr, mal weniger Milch. Das hängt nun mal von der Käsesorte und vom Absatz ab“, erklärt Ralf Lottmann. Mit dem Landwirt sei dazu keine zukunftsfähige Einigung möglich gewesen.

Dieser Darstellung widerspricht Ernst-Ludwig Spelsberg vehement. Er sieht vielmehr Fehler und Schwächen bei der Produktionsleitung, die zum Niedergang des ambitionierten Projekts führten. „Verkaufsstellen sind verloren gegangen, was den Absatz erschwert hat“, beschreibt Spelsberg eine für die kleine Käserei immer schwieriger gewordene Situation.

In der Gründungsphase vor zwölf Jahren war der Bio-Bauer froh, seine Milch der von mehreren Anteilseignern als GmbH geführten Käserei anbieten zu können. „Damals fand ich keine Molkerei, die Biomilch zu wirtschaftlich vertretbaren Bedingungen abgenommen hätte“, erzählt der Landwirt. Das hat sich zum Glück geändert: Heute kann Ernst-Ludwig Spelsberg seine Milch problemlos bei einer auf die Verarbeitung von Bioprodukten spezialisierten Molkerei absetzen.

„Ich hätte dennoch die Käserei weiter beliefert. Aber es mangelte an klaren Absprachen und verlässlichen Mengenangaben“, hält der Landwirt den Aussagen des Geschäftsführers entgegen. Er sieht in dessen Hinweis auf die Lieferprobleme bei der Milch eine „Schutzbehauptung“. Der Geschäftsführer habe versucht, den Betrieb von Bochum aus zu managen.

„Engagement vermisst“

Das habe nicht funktioniert. „Die handwerkliche Käseherstellung ist nicht einfach. Dazu gehört sehr viel Engagement“, weiß Spelsberg. Das hat er in letzter Zeit im Betrieb in Hinterveserde vermisst.

In guten Zeiten sind dort jährlich bis zu 70 000 Liter Milch zu Käsespezialitäten verarbeitet worden. Es hat sogar den Versuch gegeben, Ziegenkäse ins Programm aufzunehmen. In Spitzenzeiten wurden in Hinterveserde von bis zu drei Beschäftigten vier Käsesorten in 15 verschiedenen Varianten hergestellt. Basis war das sogenannte Märkische Laibchen, dass unter anderem mit Möhrensaft, Balsamico oder Kümmel verfeinert wurde. Auch die wie Sahnequark schmeckende Hotte wurde in etlichen Verkaufsstellen sowie im Marktwagen des Unternehmens mit Erfolg angeboten.

Geschäftsführer Ralf Lottmann will die in Zusammenarbeit mit der Naturkost Heesfelder Mühle GmbH vertriebenen Bio-Produkte weiter im Marktstand vorhalten.. „Einen Ersatz für die qualitativ hochwertigen Käsesorten zu finden ist schwer“, gesteht er. Einen entsprechenden Produzenten gibt es in der näheren Umgebung seines Wissens nach nicht.

 
 

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