Junger Pilot mit großen Ambitionen

Marc Sonneborn

Neuenrade. Der Luftsportverein Sauerland ist im Vergleich zu vielen anderen Vereinen in Deutschland ein kleiner Club. Umso erstaunlicher ist es, was die Sauerländer im Laufe der Jahrzehnte für Erfolge eingeflogen haben.

Einer hat sich mit Leib und Seele dem Luftsport verschrieben: der Neuenrader Sebastian Horstmann ist seit 2008 Mitglied im C-Kader der deutschen Segelflug-Nationalmannschaft. Dem Sprung in die Auswahl geht aber eine Erfolgsgeschichte voraus, die bereits im Jahr 1999 begann – mit einer Sondergenehmigung der Bezirksregierung Münster.

Denn der heute 24-Jährige saß schon mit 13 Jahren in einem Segelflieger. Normalerweise ist das in NRW erst mit 14 Jahren möglich. „Wenn ich heute so zurückdenke, ist das schon komisch. Von meiner ersten Mofa war ich noch zwei Jahre entfernt, aber ich bin allein mit einem Flugzeug für 100 000 Euro geflogen“, erinnert sich Horstmann an die Anfänge.

Die Leidenschaft für den Luftsport bekam der gebürtige Hohenlimburger schon in die Wiege gelegt. Seine Mutter fliegt seit 40 Jahren. Da war es kein Wunder, dass sich auch die Kinder mit dem Virus infizieren. Sebastian hat Erfolge gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Robin errungen. Schaut man in die Deutschen Bestenlisten der letzten Jahre, dann trifft man den Namen „Horstmann“ oft doppelt an.

Als der Neuenrader mit 17 Jahren dann den Segelflugschein machte, wurde sofort das Interesse an langen Überlandflügen groß. Und scheinbar brachten die Zwillinge auch eine gehörige Portion Talent mit, denn bereits im selben Jahr nahm Sebastian Horstmann an seinem ersten Pokal-Wettbewerb teil. Als Flieger mit den wenigsten Flugstunden im Teilnehmerfeld landete er auf Anhieb im Mittelfeld. Spätestens da war der Ehrgeiz geweckt.

2005 folgte die erste Teilnahme an der Qualifikation für die Deutschen Juniorenmeisterschaften. Die Gebrüder Horstmann belegten die Ränge zwei und drei. „Da haben wir erkannt, dass wir wirklich was erreichen können“, erklärte der erfolgreiche Segelflieger. Zu ihren ersten Meisterschaften fuhren die beiden allerdings ganz ohne Ziele. Trotzdem sprang für Sebastian immerhin ein Tagessieg heraus. Am Kader der Nationalmannschaft flog er damals noch knapp vorbei. Als es dann zur Deutschen Meisterschaft 2008 ging, haftete den Horstmanns bereits ein gewisser Favoritenstatus an. Die Qualifikation ist reine Formsache gewesen, und neben einem erneuten Tagessieg gelang Sebastian diesmal auch der Sprung in den C-Kader. Das war nicht nur ein herausragender Erfolg für den Sportler – auch der Luftsportverein war stolz auf sein erstes Nationalmannschaftsmitglied.

Dort ist der Maschinenbaustudent seit Anfang des Jahres auch als ehrenamtlicher Segelfluglehrer tätig. Anderthalb Jahre wird das Maschinenbaustudium den offiziellen Sporthilfe-Athleten noch in Anspruch nehmen, dann hat er auf der einen Seite etwas in der Hand, auf der anderen Seite endlich die Zeit, seiner wahren Berufung nachzukommen: „Ich will Pilot werden“, hat Horstmann ganz klare Ziele. An den Scheinen arbeitet er jetzt schon fleißig.

Die Prüfung steht in wenigen Tagen an, und der Neuenrader sieht der Sache selbstbewusst entgegen, denn die wahren Ziele kommen erst, wenn er den Schein in der Tasche hat. „Am liebsten würde ich dann ein halbes Jahr als Segelfluglehrer in Neuseeland arbeiten“, erklärt Horstmann. Das Land bietet für ihn nicht nur landschaftliche Reize, auch die Thermikgüte sei dort eine ganz andere, viel bessere.

Bislang ist Horstmann außerhalb der Heimat schon in der Slowakei und in Frankreich geflogen. Gerade der Süden Frankreichs ist im Frühling und Herbst ein wahres Mekka für die Segelflieger Europas. Dort, am Rande der Alpen, trainiert auch die französische Nationalmannschaft in einem eigenen Camp mit Infrastruktur.

Die Deutschen Flieger sind immer wieder willkommen, um dort offiziell ihre Saison zu eröffnen. „Und wenn es dann auch hier im Sauerland losgeht, sind wir schon warm und können direkt loslegen“, erklärte der Neuenrader, der übrigens dem Vorurteil, Segelfliegen sei ein teures Hobby, entschieden widerspricht. Der Segelflugsport im Luftsportverein Sauerland ist nicht teurer, als andere Sportarten, ist er überzeugt. Das liegt auch daran, dass dort alles auf ehrenamtlicher Basis abläuft.

In seiner Sportart will Horstmann bei den Deutschen Senioren noch lange erfolgreich mitfliegen und bei Wettbewerben natürlich auch möglichst vordere Plätze belegen. „Mit dem Kader der A-Nationalmannschaft wird es schwer und sowas lässt sich auch kaum planen“, weiß er. Der Neuenrader fliegt in der sogenannten Club-Klasse. Dort ist die Konkurrenz mit Abstand am größten.