Jürgen Pomorin - Mord ist sein Hobby

Foto: WAZ

Manacor/ Mallorca. Auf Mallorca erfindet Autor Jürgen Pomorin, alias Leo. P. Ard, seine kriminellen Abgründe. Hier entstehen fürs Fernsehen unter anderem Drehbücher für den Tatort. Im Herbst erscheint sein neuer Krimi-Kurzgeschichten-Band "Mordsschnellweg" im Dortmunder Grafit-Verlag.

Morgens um zehn ist die Welt noch in Ordnung. Wenn der Leo. P. Ard die Terrasse betritt, werden die Stubentiger kuschelig. Auch Ende September hüllt die Sonne die sanften Hügel Mallorcas um diese Tageszeit bereits in ein gleißendes Licht. Schon viel zu warm, um zu jagen.

Jürgen Pomorin, alias Leo. P. Ard, füllt die bereit stehenden Katzennäpfchen und genießt einen ersten Kaffee. Noch nicht zu warm, um zu arbeiten. Ohne Stechuhr, aber mit einer guten Portion Selbstdisziplin. Bis etwa 19 Uhr tüftelt die Ideenschmiede Pomorin /Grosz an mörderischen Abgründen. Täglich. Aktuell steht der Tatort „Klara Blum” auf der Agenda. „Das starke Team“ wartet auf neue Geschichten, und für das ZDF haben die beiden gerade das TV-Spiel „Richterin ohne Robe“ mit Jutta Speidel in der Hauptrolle entwickelt.

Preise und Auszeichnungen

Vor zwölf Jahren hat der Ex-Bochumer, der 1988 mit Co-Autor Reinhard Junge und dem Krimi „Das Ekel von Datteln“ um den SPD-Filz im Ruhrgebiet seine Fangemeinde nicht nur im Ostvest begründete, sich mit Lebensgefährtin Birgit Grosz auf der Mittelmeerinsel niedergelassen. Heute gehört das Duo zu den etabliertesten und erfolgreichsten Drehbuchautoren der Republik.

Die RTL-Reihe „Balko“, für die Pomorin zusammen mit Michael Illner von 1994 bis 2003 124 Folgen schrieb, war Kult. Für den Polizeiruf „Totes Gleis“ erhielt er 1995 den renommierten Adolf-Grimme-Preis, der „Goldene Spatz“ landete bei ihm und die Nominierungen für den Deutschen Krimipreis zählt er schon gar nicht mehr. Dafür berichtet er schmunzelnd: „Inzwischen gehöre ich zu den 100 bekanntesten Bochumern“. Ein wenig irritiert ihn das. Schließlich hat er die hektische Geselligkeit des Bermuda-Dreiecks schon lange gegen die hitzige, schwüle Stille auf den Balearen getauscht.

Dennoch versucht der VFL-Fan Parallelen herzustellen. „Wenn man so viele Jahre in Deutschland gelebt hat, bleibt man dem Land, den Leuten und ihren Verbrechen treu“, sagt der 56-Jährige. Im Sommer treffe er mehr Bochumer in der Touristenhochburg Cala Millor als auf der Kortumstraße.

Deutschland wird ohne Pomorin verteidigt

Doch zurück zum Film, oder besser: dessen Anfängen. In jungen Jahren hatte der Journalist und bekennende Linke Pomorin zum Teil undercover im Wallraff-Stil in der rechten Szene recherchiert. Vier Sachbücher veröffentlicht er, bis eine „Warnung vor einem Spitzel” nebst Steckbrief in der Nationalzeitung erscheint. Nach der ersten Morddrohung „reichte mir die Aufklärung”, sagt er heute.

Bis er seine Karriere als Autor starten konnte, musste er seine Zeit bei der Bundeswehr absolvieren. Das erledigte er – je nach Sichtweise – im Schnelldurchgang. 1974 wurde er wegen „Gefährdung der militärischen Sicherheit” frühzeitig nach Hause geschickt. Sein Delikt: Er war in Uniform zu Demonstrationen gegangen, hatte vor der Kaserne seine Sicht auf die Dinge im „Tagebuch eines Wehrpflichtigen” per Flugblatt unters Volk gebracht. Pomorin ging und klagte auf Wiedereinstellung. Sechs Jahre später gab ihm das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen Recht. Obwohl er prompt seinem Kompaniechef telefonisch drohte „Ich komme” , winkte dieser ab und erklärte, die Bundeswehr könne Deutschland auch ohne Pomorin verteidigen.

Pomorin als Sicherheitsrisiko

Der noch ausstehende Sold von 631 DM wurde zackig überwiesen, seine Unterlagen schickte man ihm umgehend zurück. Das Fatale: Durch eine Verwechslung hatte man ihm die Akten des Bundesverteidigungsministeriums zugesandt. Inklusive eines handschriftlichen Vermerks eines Generals „es sei der Wunsch des Ministers, Pomorin als Sicherheitsrisiko zu entlassen.” Eine Kopie schmückt noch heute seinen Schreibtisch.

Jenen, an dem zunächst politisch motivierte Krimis entstanden wie 1987 das „Bonner Roulette”, in dem ein Arbeitsloser die Abendgesellschaft der Hohensyburg als Geisel nimmt, um die Erhöhung der Sozialhilfe durchzusetzen. An dem heute Krimis und Drehbücher entstehen, in denen, nach eigenem Bestreben „eine gute Geschichte erzählt werden muss”. Fast täglich. Bis 19 Uhr. Dann erst betritt der Leo. P. Ard wieder seine Terrasse und genießt die hinter dem Hügel untergehende Sonne. Zusammen mit Lebensgefährtin Birgit Grosz, einem guten Weißwein und den vier Stubentigern.

 
 

EURE FAVORITEN