Jürgen Dietrich gestorben: Stadt war sein Leben

Die Stadt Lüdenscheid war sein Leben: Ehrenbürger Jürgen Dietrich ist am Freitag gestorben.
Die Stadt Lüdenscheid war sein Leben: Ehrenbürger Jürgen Dietrich ist am Freitag gestorben.
Foto: WR

Lüdenscheid.. Jürgen Dietrich ist tot. Der Mann, der fast 20 Jahre lang Bürgermeister war und seit 2004 Ehrenbürger Lüdenscheids ist, ist am Freitag gestorben – eine Woche nach seinem 75. Geburtstag.

Mit Jürgen Dietrich verliert die Stadt einen ihrer großen Söhne, einen Mann zudem, der ihr stets die Treue gehalten hat. Der brillante Redner und ungemein populäre Politiker hat nie auf die große Bühne gewollt. Landes- und Bundespolitik haben ihn nicht gereizt, obwohl er auch in Düsseldorf oder Bonn seinen Weg gemacht hätte. Lüdenscheid war ihm wichtiger. Diese Stadt war sein Leben, seine große Liebe.19 Jahre lang – von 1975 bis 1994 – war der Rechtsanwalt und Notar, der auch unter Juristen höchstes Ansehen genoss, Lüdenscheids Stadtoberhaupt, weitere fünf Jahre Stellvertretender Bürgermeister.

Dass er bis heute gewiss zu den besonders beliebten Amtsträgern gehörte, hat viele Gründe: Es lag daran, dass er kein Bürgermeister auf CDU-Linie war. Er hatte, wenn es darauf ankam, es immer verstanden, seine Unabhängigkeit von der Partei zu wahren und notfalls auch auf Konfrontationskurs zu gehen. Diese Haltung schadete seiner Reputation in der Partei keineswegs: 1990 ernannte ihn die CDU zum Ehrenvorsitzenden.

Ansehen in der Bevölkerung genossen

Und Jürgen Dietrich hatte ein ausgeprägtes Gespür für die Stimmungslage in der Bevölkerung. Er wusste immer, was die Leute bewegt, und er wusste noch mehr: Dass man sich als Politiker am besten einfach, klar und verständlich ausdrückt. Wer ihn je erlebte, wie er eine aufgebrachte Bürgerversammlung nicht nur beruhigen, sondern sogar unter Beifall wieder verlassen konnte, der ahnt, welchen Stellenwert dieser Bürgermeister im öffentlichen Ansehen hatte.

Er war populär, aber kein Populist. Das beweist sein freundschaftliches Verhältnis zu ungezählten ausländischen Mitbürgern und Vereinen. Zu seinen Verdiensten als Bürgermeister zählte in diesem Zusammenhang auch der bis heute unvergessene Empfang ehemaliger Lüdenscheider Juden im Jahr 1990 und, drei Jahre später, der Besuch ehemaliger Lüdenscheider Zwangsarbeiter aus Russland.

Großer Förderer des Sports

Er war ein großer Förderer des Sports – als langjähriger Vorsitzender von Rot-Weiß Lüdenscheid hat er den Verein in den 70er-Jahren maßgeblich mitgeprägt – und er war Zeit seines Lebens ein großer Mentor der Behindertenarbeit. Die Aktion Wigginghausen, das Johannes-Busch-Haus und die Karl Reeber-Stiftung haben Jürgen Dietrich viel zu verdanken – so ist es seiner unermüdlichen Unterstützung zu verdanken, dass die 1980 eröffnete Altstadt-Begegnungsstätte „Der Kleine Prinz“ zu einem Beweis gelungener Integration geworden ist.

Am Freitag ist Jürgen Dietrich im Kreis seiner Familie friedlich eingeschlafen – in seinem geliebten Haus im Grünen Weg, das sein Vater gebaut hat.

 
 

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