Johann König: Ein schräger Typ

Der Spaßmacher über Marotten, seine Musterung und mehr.

Mit abstrusen Geschichten, absurden Gesangseinlagen und wirrem Gestammel unterhält die „depressive Stimmungskanone aus Köln” das Publikum. Carsten Dilly sprach mit dem 35-Jährigen. Erkenntnis: Der Typ ist wirklich schräg.

Johann, auf der Bühne kannst du einem fast leidtun: Du stotterst, schluckst, deine Stimme ist brüchig – wie viel von dir selber steckt in dieser verklemmten Bühnenfigur?

König: Bis zu 50 Prozent, es gibt da eine Menge Überschneidungen. Ich wollte immer schon authentisch sein und lasse daher auch Unsicherheiten und Pausen zu. Es wäre etwas anderes, wenn ich mir einen Hausmeister als Figur ausgedacht hätte.

Deine Nummern basieren also eher auf Selbstbeobachtung?

König: Ja, würde ich schon sagen. Meistens liege ich in der Badewanne, spinne rum und rede mit mir selbst. Wenn ich schmunzeln muss, dann schreibe ich es auf. Manchmal kommen mir aber auch Ideen im Halbschlaf. Dann stehe ich auf und gehe noch eine Stunde an mein Stehpult. Am nächsten Morgen lese ich das dann und denke: Och … gestern fand ich das noch lustig.

Noch mal zurück: Du führst also Selbstgespräche? Klingt irgendwie beängstigend …

König: Echt? Nö. Aber es gibt Momente, da gucke ich in den Spiegel und überlege: Na, was denke ich wohl gerade? Selbst im Zug rede ich viel mit mir selber. Ich finde Menschen, die inder Bahn telefonieren, viel schlimmer.

Wie hast du deine Schulzeit erlebt? Warst du eher Pausenclown, oder hast du dieKlassenkeile abbekommen?

König: In der Grundschule habe ich Streiche gespielt und Quatsch gemacht. Aber in der Pubertät bin ich sehr zurückhaltend geworden, habe mich selten gemeldet und immer ganz hinten gesessen. Ich war wirklich sehr schüchtern.

Hat sich das inzwischen gelegt?

König: Ja, klar. Wenn ich an die Schulzeit zurückdenke, ist es ein Wunder, dass ich jetzt vor 1000 Leuten auf der Bühne stehe. Kaum zu glauben.

Warst du beim Bund?

König: Nein, ich wurde ausgemustert. Tauglichkeitsstufe: 5.

Kurios. Und dann hast du in Köln ausgerechnet Sport studiert?

König: (lacht) Stimmt! Mein Ausmusterungs-Bescheid hängt bei mir zu Hause gleich neben dem Bescheid der Hochschule.

Du bist 1972 in Soest geboren – wie der Sänger Sasha. Verbindet euch, außer der schönen Singstimme, noch mehr?

König: Ja, wir haben in einer Mannschaft Fußball gespielt. In der B-Jugend, glaube ich. Und ich habe ihm mal 100 Mark geliehen...

... und hoffentlich auch wieder zurückbekommen?

König: Ja. Wir kannten uns eigentlich nicht so gut, haben uns dann aber zufällig in der Stadt getroffen. Er brauchte das Geld dringend für irgend so'n Radiokram.

Hm. Klingt wie eine deiner surrealen Geschichten, die selten ein ordentliches Ende haben. Funktioniert dein Humor auch ohne Pointe?

König: Nein, das auf keinen Fall. Man kann nicht zehnmal am Abend eine Geschichte auslaufen lassen ohne Schlussgag. Das sieht man ja bei Schmidt & Pocher. Wenn man das überzieht, wird's langweilig.

Hast du denn einen Lieblingswitz? Einen mit Pointe womöglich?

König: Hab ich. Sagt ein Metzger zum anderen: „Super, ich bin gestern 150 Kilo Gammelfleisch los geworden.” Fragt der andere: „Wie das denn?” Antwort: „Ich habe mich scheiden lassen.”

 
 

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