Italienische Schüler sind am schlechtesten

Fast die Hälfte der Nachkommen der ersten italienischen Gastarbeiter besuchen die Hauptschule.
Fast die Hälfte der Nachkommen der ersten italienischen Gastarbeiter besuchen die Hauptschule.
Foto: NRZ

Essen.. Soziale Integration gut, Bildung mangelhaft. So steht es auf dem Zeugnis, das Migrationsexperten den Italienern in Deutschland ausstellen. 48 Prozent der italienischstämmigen Schüler besuchen laut Statistischem Bundesamt die Hauptschule, neun Prozent gehen auf die Sonderschule – noch hinter den Türken das Schlusslicht unter den Zuwanderernationen.

Nicht umsonst wies der Präsident des Bundesamts für Migration, Albert Maximilian Schmid, gestern bei der Vorstellung des bundesweiten Integrationsprogramms durch Innenminister Thomas de Maizière darauf hin, sich bei der Integrationsdebatte in Deutschland nicht nur auf die Muslime zu fokussieren, sondern auch die Italiener nicht außer Acht zu lassen.

„Italiener gelten als integriert, weil sie in der Gesellschaft nicht als problematisch auffallen. Genau das ist je­doch eine der Schwierigkeiten“, sagt Professorin Ursula Boos-Nünning. Die Essener Migrationsexpertin forscht seit Jahrzehnten zur Einwanderung und Eingliederung von Italienern, Griechen und Türken in Deutschland. Sie betont. dass es bisher der Wissenschaft nicht gelungen sei, den konkreten Ursprung der italienischen Bildungsmisere zu benennen. Eine mögliche Ursache sei die Unauffälligkeit der Italiener. „Sie werden nicht gefördert, weil sie auf Grund ihrer Kultur, ihrer Lebensart beliebt sind und nicht als schwierig gelten.“

Pendel-Argument veraltet

Die vom ehemaligen NRW-Integrationsminister Armin Laschet (CDU) angeführte Pendlermentalität der Italiener sei dagegen nicht mehr entscheidend. Früher hätten Italiener auf Grund ihrer Arbeit häufig ein halbes Jahr in Deutschland und ein halbes Jahr in Italien gelebt, was die Bildungschancen der Kinder verschlechterte. Heute treffe das auf die 771 000 Italiener in Deutschland nicht mehr zu. „So viele Eisdielen kann es gar nicht geben. Längst wird nicht mehr so viel gependelt.“

Zwar haben sich Italiener in ihren Berufswünschen an die der Deutschen angepasst, dennoch spiele die traditionelle Orientierung der italienischen Einwanderer seit 1955 auf dem Arbeitsmarkt eine Rolle bei der Bildung. Bereits 1974 waren 12 000 Italiener selbstständig im Handel und in der Gastronomie. „Deshalb war formale Bildung nicht so wichtig“, so Boos-Nünning. Wer einen Job brauchte, fing beim Onkel im Restaurant oder im Geschäft an. Zum Teil sei dies noch heute so.

Ein weiterer Grund, warum ihre Kinder in der Schule so schlecht abschneiden, ist aus Sicht der Italiener das deutsche Bildungssystem selbst. „In Italien bleiben die Kinder acht Jahre lang zusammen. Hier wird zu schnell selektiert“, sagt Marilena Rossi. Sie berät für die Gewerkschaft Italia Uil in Dortmund ihre Landsleute bei Fragen zu Themen wie Rente, Sozialversicherung und Mutterschutz.

Doch liegt es ihr fern, die Schuld nur beim deutschen Staat zu suchen. „Bei den Italienern der ersten Generation und zum Teil noch bei der zweiten fehlte die Bereitschaft, Deutschland als ihre Heimat zu sehen. Sie wollten irgendwann zurück und haben deswegen die Sprache so schlecht gelernt.“

Vom Gast-Status lösen

Das italienische Konsulat, in dessen Beirat Marilena Rossi sitzt, wirbt deshalb seit Jahren bei Italienern für die doppelte Staatsbürgerschaft, da­mit diese sich von ihrem Gast-Status lösen und sich auch als Deutsche fühlen. Außerdem kritisiert Rossi das fehlende private Engagement der Italiener, ihre Integrationsprobleme zu überwinden. Gerade die Spanier machen ihnen seit Jahren in diesem Zusammenhang etwas vor. Die Quote der spanischstämmigen Hauptschüler beträgt nur 26 Prozent.

Welches Potenzial da brach liegt, zeigt der Deutsch-Italienische-Verein im Kreis Unna. Mit Hilfe eines Lernprojekts ist es dort gelungen, die Quote der italienischstämmigen Gymnasiasten auf 25 Prozent zu steigern. Nur 14 Prozent gehen dort zur Hauptschule.

 
 

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