Italiener sehen Angela Merkel in Lebensgefahr

Christa Langen-Peduto/Dirk Hautkapp
Im beschaulichen Südtirol soll die Kanzlerin in Lebensgefahr schweben. Berlin sagt „Nein“.                 Foto: WAZ
Im beschaulichen Südtirol soll die Kanzlerin in Lebensgefahr schweben. Berlin sagt „Nein“. Foto: WAZ

Rom/Berlin. Ein deutscher Neonazi soll Angela Merkel in ihrem Urlaubsort nach dem Leben trachten, berichtet die italienische Zeitung L’Espresso. Aus Berlin folgte prompt das Dementi.

Sulden im Vinschgau in Südtirol, zum fünften Mal macht Kanzlerin Angela Merkel in dem Dorf schon mit ihrem Ehemann Wanderurlaub. Wie immer in einem keinesfalls mondänen Hotel, in dem die Halbpension weit unter 100 Euro kostet. Die Suldener lassen die beiden in Ruhe. Sie wissen, dass vor allem die Kanzlerin ausspannen will. Was sie nicht wissen, veröffentlichte an diesem Freitag exklusiv die durchaus seriöse römische Zeitschrift L“Espresso“.

Bei Südtiroler Nazis nach Unterstützern gesucht

Demnach schleicht der deutsche Neonazi H.P. (50) aus Bremerhaven in Südtirol mit Attentatsplänen gegen die Kanzlerin im Kopf herum. Schon vor einem Jahr habe er sich mehrere Monate in Meran aufgehalten und vergebens Unterstützung bei einer bewaffneten Neonazi-Gruppe dort gesucht. „Es sieht so aus, als ob der über diskrete finanzielle Mittel verfügende H.P in diesen Tagen nach Südtirol zurückgekehrt ist. Vielleicht in Erwartung der Ankunft von Kanzlerin Merkel?“so schließt das Blatt seine Exklusivstory. Dabei beruft sich L“Espresso auf einen der Redaktion bekannten Italiener, der im Text Andreas genannt wird und in rechtsradikalen Kreisen zwischen Deutschland, Österreich und Italien verkehren soll. H.P. sei ein Psychopath, „ein wütender Verrückter“, der aber für seinen Anschlagsplan gegen Merkel viel deutsche Neonazi-Zustimmung besitze, heißt es weiter.

Alarm oder Falschalarm, ernsthafte Gefährdung des Merkel-Urlaubs oder nicht? In Italien macht man sich durchaus Gedanken darüber. Auch das Fernsehen berichtete. Von erhöhten Sicherheitsmaßnahmen rund um die wandernde Kanzlerin ist aber keine Rede. Man scheint die Sache im Griff zu haben. Es könnte stimmen, dass H.P. wirklich im vergangenen Jahr Attentatshilfe bei einer Meraner Neonazi-Gruppe suchte, diese aber nicht anbiss. 16 Mitglieder dieser Gruppe wurden inzwischen festgenommen und weitere 100 angezeigt, einige sollen bei Verhören von dem deutschen Neonazi berichtet haben. Fast alle sind kaum älter als 20 Jahre und deutschstämmige Südtiroler. Sie werden beschuldigt, Aktionen gegen Ausländer, politische Gegner und vor allem gegen Italiener unternommen zu haben. Gegen die Kanzlerin hätten sie nichts, sagt Andreas, auch deshalb hätten sie H.P. nicht geholfen. Er behauptet auch, die deutsche Polizei habe bei dem Mann daheim in Bremerhaven, obwohl von italienischen Behörden über dessen Treiben informiert worden, nicht einmal eine Hausdurchsuchung gemacht.

Bericht ist „komplett heiße Luft“

„Da ist nichts dran. Eine erhöhte Gefährdung für die Kanzlerin gab es nicht und gibt es auch derzeit nicht.“ Mit diesen Worten reagierte Regierungssprecherin Sabine Heimbach am Freitag auf Anfrage dieser Zeitung auf den Bericht in „L“ Espresso“. Wie darüber hinaus aus Sicherheitskreisen zu erfahren war, wird der genannten Schlüsselfigur, dem Deutschen H.P., allenfalls das Format eines „dummen Wirrkopfes“ attestiert. „Eine echte Gefahr geht von dem nicht aus“, sagte ein hoher Ministerial-Beamter dieser Zeitung. Der aus dem Raum Cuxhaven stammende Mann soll 2008 im Rahmen einer vom italienischen Inlandsgeheimdienst durchgeführten Aktion gegen Rechtsextremisten lediglich als „Kontaktperson“ aufgetaucht sein. Sicherheitsexperten des Innenministeriums bezeichneten den Bericht von „L“Espresso“ als „komplett heiße Luft“.