Ist Glutamat ein Gesundheitsrisiko?

Der Geschmacksverstärker Glutamat findet sich vor allem in Fertigprodukten udn steht immer öfter in der Kritik. (Bild: Imago)
Der Geschmacksverstärker Glutamat findet sich vor allem in Fertigprodukten udn steht immer öfter in der Kritik. (Bild: Imago)

Essen. Ob in Chips, Pizza oder Tütensoße – die Lebensmittelindustrie setzt auf Geschmacksverstärker. Doch das Misstrauen vieler Menschen wächst, denn Glutamat steht in Verdacht ungesund zu sein.

Tüte aufschneiden und den Inhalt in heißes Wasser einrühren – fertig. Nach einem langen Arbeitstag kann das Kochen so bequem sein. Und das Beste: Es schmeckt sogar gut. Ursache ist oft der Geschmacksverstärker Glutamat. Er verstärkt den Geschmack vieler Lebensmittel, so dass sie würziger schmecken. Doch immer mehr Menschen verzichten bewusst auf diese Zusätze. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Ipsos zufolge kaufen 40 Prozent der Befragten in den meisten Fällen Produkte ohne Glutamat. Denn der Ruf des Geschmacksverstärkers ist denkbar schlecht: Ungesund soll er sein und dick machen. Was ist da dran?

Glutamat nicht grundsätzlich gefährlich

Glutamat ist keine Erfindung der Nahrungsmittelindustrie. Denn Verdauung, Denken und die körpereigene Abwehr – das alles funktioniert nur mit diesem Stoff. Er ist ein Energielieferant und wird im Körper selbst hergestellt. Auch in vielen natürlichen Lebensmitteln, wie reifen Tomaten, kommt er vor.

Generell gefährlich ist Glutamat auch in Fertigprodukten nicht. Allein die Menge macht’s. So empfiehlt das Bundesinstitut für Risikoforschung mehr als zehn Gramm pro Kilogramm nicht zu überschreiten. Als Salzersatz solle es daher nicht verwendet werden.

Neue Bewertungen

Dass Glutamat kein Gesundheitsrisiko darstellt, sagt auch die Verbraucherzentrale NRW: „Glutamat wurde 1998 von der EU zugelassen und dabei als nicht gesundheitsschädlich eingestuft“, so die Ernährungswissenschaftlerin der Verbraucherzentrale Debora Hohage. „Jedoch bewertet die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) seit zwei Jahren, sämtliche zugelassene Zusatzstoffe neu.“ Ein bisher genutzter Farbstoff wurde aufgrund der neuen Untersuchungen verboten und die Höchstmengen vieler anderer herabgesetzt. „Es bleibt abzuwarten, wie Glutamat und andere Geschmacksverstärker bewertet werden“, so Hohage.

Geschmack wird verändert

Bereits bewiesen ist, dass Glutamat den Geschmack verändert: „Wer sich an Glutamat gewöhnt hat, dem schmecken Natur belassene Lebensmittel oft fade und langweilig“, sagt die Expertin. Durch den Verzicht des Geschmacksverstärkers könne aber ein ursprünglicher Geschmack wieder hergestellt werden.

Außerdem soll Glutamat auch den Appetit verändern. „Es hat eine appetitanregende Wirkung“, sagt Hohage. Wissenschaftlich sei bisher jedoch nicht bewiesen, dass der Geschmacksverstärker zu sogenannten „Fressanfällen“ führt.

Wer kein Glutamat essen sollte

Nicht jeder sollte mit Glutamat gewürzte Knabbereien essen. Bei Asthmatikern kann der Geschmacksverstärker einen Anfall auslösen. Und das sogar noch bis zu zwölf Stunden nach dem Essen. „Außerdem sollten Menschen, die an Neurodermitis leiden auf Geschmacksverstärker aber auch Farbstoffe verzichten“, sagt Hohage. Denn die Lebensmittelzusätze können die Beschwerden verschlimmern.

Glutamat versteckt sich hinter undurchsichtigen Bezeichnungen

Die Kennzeichnung mit E-Nummern

Wer sich bewusst entscheidet keine Geschmacksverstärker zu sich zu nehmen, hat es oft nicht leicht. Denn auch der Blick auf die Zutatenliste kann Glutamat nicht immer entlarven. Oft versteckt er sich hinter unverständlichen Bezeichnungen wie E-Nummern. Diese geben Zusatzstoffe an, die Lebensmitteln nach europäischen Vorschriften zugesetzt wurden. „Und auch wenn Hefeextrakt, Würze, Brühe oder Soja nicht nach Geschmacksverstärker klingt, ist genau dieser enthalten“, sagt Hohage.

Geschmack auch ohne Geschmacksverstärker

Generell gilt: Wer so wenig Fertiggerichte wie möglich isst, hat das geringste Risiko Geschmacksverstärker zu sich zu nehmen. Aber nicht alles, was aus der Tüte kommt ist potenziell mit Geschmacksverstärkern versetzt. So gibt es Gemüse aus der Tiefkühltruhe– auch ohne Zusätze. „Wichtig ist daher, die Liste der Inhaltsstoffe genau zu studieren“, sagt Hohage. „Besonders bei Gewürzmischungen ist Vorsicht geboten.“ Besser sei es, selbst mit Kräutern zu würzen wie Petersilie, Kümmel und Schnittlauch.

 
 

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