Investor steht „Gewehr bei Fuß“

Das vom Land bereits befürwortete Ausbauprogramm (geschätzte Kosten: 29 Mio Euro) soll den Dorstener Bahnhof bis 2013 aus seiner Insellage befreien, indem die Westgleise (rechts im Bild) nach Osten verlegt werden.
Das vom Land bereits befürwortete Ausbauprogramm (geschätzte Kosten: 29 Mio Euro) soll den Dorstener Bahnhof bis 2013 aus seiner Insellage befreien, indem die Westgleise (rechts im Bild) nach Osten verlegt werden.
Foto: Blossey
Architekt Thomas Fründt hat vor einem Jahr den Bahnhof gekauft. Dass die stadtseitigen Gleise überraschend verlegt werden sollen, begeistert auch ihn. „Dafür warte ich gerne noch ein Jahr oder anderthalb.“

Dorsten.. Dass die „große Lösung“ für den Bahnhof – die Verlegung der stadtseitigen Westgleise nach Osten – bis 2013 Wirklichkeit werden soll (siehe WAZ von Samstag), begeistert auch Thomas Fründt.

Der Architekt ist seit über einem Jahr Eigentümer des 130 Jahre alten Empfangsgebäudes. Mit seinen Umbauplänen kam er bisher allerdings nicht recht weiter, weil Verhandlungen über den Kauf angrenzender Flächen stockten. Zu Fründts Bahnhof gehört nämlich nur ein Grundstücksstreifen von einem Meter Breite rund ums Gebäude. Zu wenig, für die angestrebte Gastronomie, die draußen Plätze braucht. Zu wenig auch für ausreichende Rettungswege rundum. „Eine Tiefe von fünf Metern ist für mich zwingend“, sagt Fründt.

Die Bahn sandte zwar grundsätzlich positive Signale, dass sie sich von Teilflächen der Bahnsteige trennen könnte. Die „Entbehrlichkeitsprüfung“ im Unternehmen sei aber nicht abgeschlossen, ein unterschriftsreifer Kaufvertrag damit nicht in Sicht. Damit konnte der Bahnhofs-Investor auch seinen Bauantrag nicht vorantreiben, weil wesentliche Grundlagen noch fehlten.

Dass die Verhandlungen stockten, scheint Fründt nun plausibel: „Mit der großen Umstrukturierung des Bahnkörpers sind sicher weitere Prüfungen erforderlich. Er nimmt’s gelassen. Denn verstreichende Zeit scheint Fründts Projekt nicht zu gefährden. „Wenn die große Lösung kommt, dann warte ich gerne noch ein Jahr oder anderthalb“, sagte er am Montag der WAZ. Die Verlegung der Gleise und die Anbindung des Bahnhofs an die Altstadt sei „absolut begrüßenswert“.

Bis auf die offenen Bahnfragen hat Fründt seine Hausaufgaben längst abgearbeitet. „Ich stehe Gewehr bei Fuß.“ Gewerbeaufsicht und Denkmalschützer signalisierten bereits Unterstützung. Und auch für Räume im renovierten Bahnhof gebe es „namhafte Interessenten“.

Die wollten schon einziehen, als die „große Lösung“ noch nicht in Sicht war. Hätten aber da schon gesagt: „ Wenn das kommt, dann nehmen wir gleich den halben Bahnhof“, berichtet Fründt lachend.

Wie die WAZ am Samstag exklusiv berichtete, befürwortet das Land die Aufnahme des Dorstener Bahnhofs in die Finanzierungsvereinbarung von Bund und Land für Investitionen ins Streckennetz. Eine erste Schätzung beziffert die Kosten für Digitalisierung der Strecke (Voraussetzung für die Verlegung der Westgleise) und notwendige Umbauten an Gleisen und Bahnsteigen auf 29 Mio Euro.

Die Zustimmung der Bahn steht noch aus, werde aber in Kürze erwartet, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums. Die Umsetzung soll bis 2013 erfolgen. Bürgermeister Lambert Lütkenhorst hält die Anbindung des Bahnhofs an die Stadt für so weitreichend, dass er das Projekt mit einem integrierten Handlungskonzept für die gesamte Altstadt begleiten möchte.

 
 

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