Integration keine Einbahnstraße

Vorstellung der Integrationslotsen in Neuenrade, vorn von links: Malindi Ossenberg-Engels, Sandra Horny (Integrationsbeauftragte), Elisabeth Kynast; (oben) Uwe Ossenberg-Engels, Fatih Yilmaz, Anton Schlotmann und Yakup Demirci; es fehlt Mehmet Arslan.
Vorstellung der Integrationslotsen in Neuenrade, vorn von links: Malindi Ossenberg-Engels, Sandra Horny (Integrationsbeauftragte), Elisabeth Kynast; (oben) Uwe Ossenberg-Engels, Fatih Yilmaz, Anton Schlotmann und Yakup Demirci; es fehlt Mehmet Arslan.
Foto: WR

Neuenrade. „Für mich ist Integration, sich in dem Land, in dem man seinen Wohnsitz hat, am öffentlichen Leben in jeder Form zu beteiligen“, so definiert Fatih Yilmaz für sich persönlich „Integration“.

Er gehört in Neuenrade zu den sieben Integrationslotsen, die jetzt nach einem Lehrgang beim Märkischen Kreis für ihre zukünftige Aufgabe ein Zertifikat erhalten haben. Dass es gleich sieben ehrenamtliche Helfer geworden sind, darauf ist die Integrationsbeauftragte der Stadt, Sandra Horny, richtig stolz.

Sie erinnert sich an die Anfänge vor knapp einem Jahr, als sie sich zunächst nur Absagen einhandelte. Sie hat aber weiter an dem Projekt, für das der Kreis Landesmittel zur Verfügung hatte, gearbeitet. Über Veröffentlichungen und viele Einzelgespräche war sie dann erfolgreich - und wie! Am Ende hatte sie 14 Kandidaten, übrig blieben die sieben, die am Dienstag im Neuenrader Rathaus bei Anwesenheit von Bürgermeister Klaus Peter Sasse und den Parteienvertretern vorgestellt wurden: zwei Frauen und fünf Männer.

Sprache hat eine
Scharnierfunktion

Integration, da waren sich am Dienstag in der Runde alle einig, ist in erster Linie über die Sprache zu erreichen. Fünf der sieben Integrationslotsen haben einen Migrationshintergrund, beherrschen aber neben der Muttersprache die deutsche Sprache perfekt, was für die Aufgaben als Integrationslotsen besonders wichtig ist. Wenn es zum Beispiel darum geht, bei Behördenangelegenheiten zu helfen, über Bildungs- und Freizeitangebote zu informieren, Kontakte zu Vereinen herzustellen.

Die Integrationslotsen können in vielen Sprachen helfen, vertreten sind neben deutsch noch spanisch, türkisch, einige afrikanische Sprachen, polnisch, russisch und tschechisch. Wichtig: die Lotsen sind ehrenamtlich tätig, ihre Hilfe ist kostenlos!

Bürgermeister Sasse bezeichnete bei der Vorstellung am Dienstag die Sprache als „Scharnierfunktion“. Die Lotsen können auch von den verschiedenen Ämtern um Hilfe gebeten werden, Listen mit den Namen der Integrationslotsen sollen in den nächsten Tagen verteilt werden.

Hilfe auch bei afrikanischen Sprachen

Auffallend, dass auch bei afrikanischen Sprachen von den Neuenrader Integrationslotsen geholfen werden kann. Dafür stehen Malindi und Uwe Ossenberg-Engels. 16 Jahre hat Uwe Ossenberg-Engels in der Heimat seiner Frau in Afrika gewohnt, da musste er sich integrieren, was scheinbar wunderbar gelungen ist.

„Da wollten die Leute sogar, dass ich für ein Stadtparlament kandidiere“, konnte er erzählen. Für Uwe Ossenberg-Engels ist Integration keine Einbahnstraße, dafür müssen alle Beteiligten etwas tun. Deutschland habe eine Multikulti-Gesellschaft, in der dieser Gedanke noch nicht richtig angekommen sei.

Und wie lange wollen die ehrenamtlichen Integrationslotsen nun tätig sein? „Dauerhaft“, so Lotse Anton Schlotmann. Und vielleicht kommen weitere dazu, Schlotmann: „Wenn ich jemandem geholfen habe, ist das doch eigentlich ein potenzieller Lotse!“

 
 

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