Integration geht nur über Sprache

An der Holte-Grundschule lernen die Lehrer mit Flüchtlingskindern. Foto: Klaus Pollkläsener
An der Holte-Grundschule lernen die Lehrer mit Flüchtlingskindern. Foto: Klaus Pollkläsener
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Lütgendortmund.Sie beantwortet jede noch so banale Frage mit einer Engelsgeduld. Lässt kleine Streitgespräche gar nicht erst aufkommen. Julia Brostermann, Lehrerin an der Holte-Grundschule, arbeitet seit Monaten mit Flüchtlingskindern aus dem Grevendicks Feld. Das Problem: Die Mädchen und Jungen aus Ghana, Mazedonien, Syrien, Pakistan, Afghanistan oder Russland kommen aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen, haben aber eines gemeinsam: Sie können kein Wort Deutsch.

Lütgendortmund. Sie beantwortet jede noch so banale Frage mit einer Engelsgeduld. Lässt kleine Streitgespräche gar nicht erst aufkommen. Julia Brostermann, Lehrerin an der Holte-Grundschule, arbeitet seit Monaten mit Flüchtlingskindern aus dem Grevendicks Feld. Das Problem: Die Mädchen und Jungen aus Ghana, Mazedonien, Syrien, Pakistan, Afghanistan oder Russland kommen aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen, haben aber eines gemeinsam: Sie können kein Wort Deutsch.

„Das ändert sich schnell, wenn sie bei uns sind“, berichtet Dr. Martina Röhr. Die Schulleiterin hat in einem Extra-Raum, dem sogenannten Sprachkurs-Raum, eine Auffangklasse einrichten lassen.

Große Herausforderung

Dort üben die Kinder jeden Morgen von 8 bis 9.30 Uhr mit Julia Brostermann neben der deutschen Sprache auch alltägliche Grundfertigkeiten wie Zeichnen, Malen oder das Ausschneiden von Bildern mit einer Schere. „Wir fördern, wo es nur geht. Das gilt auch für Jugendliche mit motorischen Störungen.“

Nach dem zweistündigen Intensiv-Unterricht gehen die Flüchtlingskinder dann in Klassen, die ihrem Alter entsprechen. „Für uns ist das natürlich eine kräftezehrende, große Herausforderung. Die Kinder bleiben nämlich nicht allzu lange bei uns, weil die Eltern nach einigen Monaten aus dem Grevendicks Feld zumeist in die Nordstadt ziehen. Wir bekommen dann neue Kinder und fangen wieder von vorn an“, berichtet Martina Röhr aus dem Schulalltag. Ungeachtet dessen verfolgt sie einen klaren Auftrag: „Wir wollen dazu beitragen, die Kinder zu integrieren und an unserer Schule bereits die ersten Grundlagen legen für eine später erfolgreiche Schullaufbahn. Das alles geht aber nur über die deutsche Sprache.“

Und mit Hilfe der ehrenamtlichen Mitarbeiter. Zehn Personen arbeiten im Augenblick mit den Kindern an der Holte-Grundschule. Für Martina Röhr „leider zu wenig. Wir könnten mehr gebrauchen. Wer Interesse hat, meldet sich bitte bei uns.“ Die Arbeit sei spannend, sagt unterdessen Wolfgang Grasekamp, seit einiger Zeit an der Schule ehrenamtlich aktiv. Die Kinder zeigten sich jeden Tag motiviert, wissbegierig und dankbar. Sie seien bemüht, miteinander auszukommen, seien freundlich und kennen ihre Grenzen. Kurzum: „Es macht Spaß, ihnen etwas beizubringen. Die Schulleitung hat aber auch alles bestens vorbereitet und zeigt großes Engagement“, sagte der frühere Vize-Leiter der Jugendfreizeitstätte Marten gestern unserer Zeitung. Ein dickes Lob kam auch von Heiko Brankamp. Auf einer Sitzung der Lütgendortmunder Bezirksvertretung lobte der Bezirksbürgermeister die außergewöhnlich gute Arbeit der Holte-Grundschule mit den Flüchtlingskindern.

Schulleiterin Röhr freut sich über die Anerkennung, hat aber sogleich wieder das Wesentliche im Blick. Will heißen: Die Pause ist zu Ende. Die nächste Unterrichtsstunde beginnt. Nein, nicht nur für die 19 Flüchtlingskinder. Sondern auch für die 394 weiteren Holte-Schüler in insgesamt 16 Klassen. Die Entwicklung der 19 Jugendlichen aus dem Grevendicks Feld sei ihr wichtig. „Aber genau so wichtig“, betont Martina Röhr, „sind mir meine anderen Schüler. Wir lassen hier niemanden fallen.“

 
 

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