Integration durch Engagement

Bernd Maus
Im Plettenberger Rathaus beraten ab sofort ehrenamtlich tätige Integrationslotsen ausländische Mitbürger im Dschungel von Behördengängen. Von links Bürgermeister Klaus Müller , Iordanis Iordanidis , Nezahat Altintas , Demet Özbey , Gleichstellungsbeauftragte Christiane Wilk und Seval Kati
Im Plettenberger Rathaus beraten ab sofort ehrenamtlich tätige Integrationslotsen ausländische Mitbürger im Dschungel von Behördengängen. Von links Bürgermeister Klaus Müller , Iordanis Iordanidis , Nezahat Altintas , Demet Özbey , Gleichstellungsbeauftragte Christiane Wilk und Seval Kati
Foto: WR

Plettenberg. Sie kommen in ein fremdes Land, wollen sich dort eine Existenz aufbauen, kennen sich aber nicht aus im Gesetzesdschungel und sprechen nicht die Sprache. Für jede Begleitung bei der Alltagsorientierung in noch ungewohnter Umgebung wären Sie dankbar.

In Plettenberg bieten ab Dienstag sechs ehrenamtlich tätige Integrationslotsen ausländischen Mitbürgern diesen Begleitservice, kompetent, kostenlos, vertraulich – Integration durch Engagement.

Bürgermeister Klaus Müller und Gleichstellungsbeauftragte Christiane Wilk hieß das Integrations-Sextett nach erfolgreicher Ausbildung für die verantwortungsvolle Aufgabe im Rathaus willkommen. Dabei decken die Lotsen Hül­yagül und Nezahat Altintas, Emel Acikgöz, Seval Kati, Demet Özbey und Iordanis Iordanidis die Sprachen Türkisch, Griechisch und Englisch sowie aus den Balkanländern ab.

Iordanis Iordanidis hat zweimal selbst vor der Situation gestanden, ein Fremder in neuer Umgebung zu sein: als der gebürtige Grieche sein Studium im früheren Jugoslawien begann und danach in Deutschland. „Als Zuwanderer fühlst Du Dich jedes Mal so hilflos wie ein Neugeborener“, schildert er. Iordanidis wäre froh gewesen, wenn er bei Behördengängen Lotsen an seiner Seite gehabt hätte, wenn er in der Muttersprache über Angebote von Beratungs- und Bildungsstellen informiert worden wäre, Unterstützung bei scheinbar noch so banalen Alltagspflichten erfahren hätte. Weil er aus eigener Erfahrung nachfühlt, wie schwierig Inte­gration sein kann, entschloss er sich zur Ausbildung zum Integrationslotsen.

Die junge Türkin Demet Özbey, die wie alle anderen im Team nahezu akzentfrei Deutsch spricht, hat bislang nur im Bekanntenkreis die Lotsin gespielt. Jetzt will sie einem größeren Kreis von Migranten ihre Hilfe anbieten und freut sich auf die Herausforderung. In 8 Ausbildungsveranstaltungen haben sich die Lotsen das Rüstzeug für ihre ehrenamtliche Arbeit geholt. In Fortbildungen werden sie regelmäßig weiter geschult.

Sie unterstützen die Arbeit hauptamtlicher Mitarbeiter in Behörden und Verbänden. Sie stehen unter Schweigepflicht.

Von kreisweit insgesamt 22 Integrationslotsen, denen Landrat Thomas Gemke kürzlich im Lüdenscheider Kreishaus die Urkunden überreichte, nehmen 6 ihren Dienst in Plettenberg auf, weitere in Neuenrade (7), Altena (4), Kierspe (3) und Hemer (2). Gemeinsam mit den bereits in Iserlohn arbeitenden 16 Integrationsbegleitern sowie 18 Lotsen in Lüdenscheid und 6 in Werdohl kümmern sich damit aktuell 62 Männer und Frauen in 8 von 15 MK-Gemeinden um ihre Landsleute.

„Integration ist alternativlos“, so Gemke. Es sei eine Gemeinschaftsaufgabe und Ziel des Kreises, alle Gruppen anzusprechen sowie viele neue Kontakte anzuregen und zu unterstützen. Der Kreis kann vernetzen, die Aktivitäten erfolgen vor Ort.

Für die nächste Legislaturperiode strebt Bürgermeister Müller nach eigenem Bekunden in Plettenberg die Gründung einer Ausländervertretung an. Die Sprechstunden der Integrationslotsen betrachtet er als ersten Schritt in diese Richtung.