Initiative fordert mehr Grünpfeilschilder an deutschen Kreuzungen

Rechtsabbieger können hier trotz roter Ampel fahren - allerdings erst, nachdem sie angehalten und sich vergewissert haben, dass der Weg frei ist.  Das spart Sprit und Zeit. (Foto: UvB)
Rechtsabbieger können hier trotz roter Ampel fahren - allerdings erst, nachdem sie angehalten und sich vergewissert haben, dass der Weg frei ist. Das spart Sprit und Zeit. (Foto: UvB)
Foto: uvb / NRZ
Die Initiative „Ja zum Grünen Pfeil“ setzt sich dafür ein, dass sich die Verkehrsregelung auch im Westen durchsetzt. Hier gilt der Pfeil als Risiko, im Osten ist er gang und gäbe. Das Schild verbessert den Verkehrsfluss und schont die Umwelt.

Essen.. Ein Grünpfeilschild an der Kreuzung sagt an: Hier darf der Rechtsabbieger auch dann fahren, wenn die Ampel auf Rot steht. Nachdem er angehalten und sich umgesehen hat, ob kein Gegenverkehr, Fußgänger oder Radfahrer seinen Weg kreuzen. Autos stehen kürzere Zeit an der Kreuzung, kommen also schneller voran und verbrauchen weniger Sprit, dessen Abgase sie sonst erst gegen die Fenster der Anwohner und dann in den Himmel pusten würden. Weshalb also sind die Grünpfeilschilder nur so selten anzutreffen auf westdeutschen Straßen?

Das fragt sich auch die Initiative „Ja zum Grünen Pfeil“, eine Kooperation des Zentralverbands Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK), der Sachverständigenorganisation DEKRA und dem Automobil-Club Verkehr (ACV). 1994 aus dem Osten der frisch vereinten Republik übernommen, montierten Städte und Gemeinden in ganz Deutschland die Schilder mit dem Grünen Pfeil an die Ampeln, nur um bis Ende 1995 wieder 15 Prozent davon wieder abzubauen. „Genaue Zahlen, wie viele Grünpfeile in Deutschland standen und noch stehen, haben wir leider nicht“, sagt Claudia Weiler, Pressesprecherin des ZDK. Solche Statistiken würden nicht erhoben, heißt es auch aus dem Verkehrministerium in NRW.

Als aber vor etwa drei Jahren die Meldung kam, weitere 120 Grünpfeile in Deutschland würden abgebaut, entschied sich ZDK-Präsident Robert Rademacher dafür, eine Initiative zur Rettung des Grünpfeils ins Leben zu rufen. Deren Schirmherrschaft hat mittlerweile Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer übernommen. Dabei stützt sich „Ja zum Grünen Pfeil“ unter anderem auf eine Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt). „Sie haben herausgefunden, dass an Kreuzungen mit Grünpfeilschildern nicht mehr oder schwerere Unfälle passieren als an anderen Kreuzungen“, so Weiler.

Auf der Seite www.gruener-pfeil.de können Bürger Kreuzungen vorschlagen, an denen sie sich ein Grünpfeilschild wünschen. Mehr als 350 Vorschläge hat die Initiative jetzt weitergeleitet und Anträge bei den jeweiligen Kommunen in ganz Deutschland gestellt. Dort entscheiden nun Sachverständige, ob Grüne Pfeile an den einzelnen Kreuzungen sinnvoll und zulässig sind. „Es gibt eine ganze Reihe von Ausschlusskriterien, die auch auf unserer Seite zu finden sind“, sagt Claudia Weiler. So dürfen etwa beim Rechtsabbiegen weder Gleise noch Radwege gekreuzt werden, die in beide Richtungen befahrbar sind. Außerdem darf die Ampel nicht überwiegend der Schulwegsicherung dienen.

Im Osten sind Grünpfeilschilder normal

Trotz der strengen Kriterien gelten Grünpfeilschilder im Westen Deutschlands als Gefahrenquellen. Das liegt vor allem an den Autofahrern, die trotz 17 Jahren Grünpfeil immer noch nicht wissen, wie sie sich an dem Schild verhalten sollen. Im Osten der Bundesrepublik sieht das anders aus: Da der Rechtsabbiegerpfeil schon zu DDR-Zeiten fester Bestandteil des Schilderwalds war, wissen dort auch alle Autofahrer Bescheid, wie mit ihm umzugehen ist. „Das ist eine Frage der Gewohnheit“, sagt Michael Jana von der Straßenverkehrsbehörde Leipzig. Deshalb führen die 219 Grünpfeile an 121 Ampelkreuzunge in Leipzig auch nur zu besserem Verkehrsfluss - ohne größere Probleme.

In Ruhrgebietsstädten wie Essen und Bochum dagegen finden sich jeweils nur eine Handvoll Grünpfeilschilder. In den vergangenen sechs, sieben Jahren haben die Städte sogar noch welche abbauen müssen. So verringerte sich die Zahl der Schilder in Essen von elf auf neun, in Bochum von 13 auf elf. „Die Fahrzeugführer haben vor dem Grünpfeil nicht angehalten und so Kinder auf dem Schulweg gefährdet“, begründet der Bochumer Stadtsprecher Thomas Sprenger den Abbau.

Der Westen muss offensichtlich noch üben: „Fußgänger oder Radfahrer werden häufig angefahren“, sagt Mirjam Grotjahn vom NRW-Verkehrsministerium. Auch der ADAC sieht im Fahrer das größte Risiko. Pressesprecherin Bettina Hierath: „Viele vergessen, an der Ampel zunächst anzuhalten und sich zu vergewissern, dass ihr Weg frei ist.“ Ein Grünpfeilschild bedeute keinesfalls Vorfahrt wie ein grüner Ampelpfeil. Stattdessen sei es zwingend, den Wagen zunächst zum Stillstand zu bringen. Claudia Weise vom ZDK dazu: „Es gelten die gleichen Regeln wie beim Stoppschild.“

Autofahrer verhalten sich falsch

Ganz wichtig dabei: Direkt an der Haltelinie vor der roten Ampel zu halten, nicht erst an der Sichtlinie dahinter. „Sie haben ja einen Fußgängerüberweg direkt vor der Nase, da stehen die Ampeln auf Grün“, sagt Fahrlehrer Michael Rauprich von der Essener Fahrschule Hermanski. Wer bis zur Sichtlinie vorpresche, übersehe schnell die querenden Passanten. Und selbst wenn nicht: Teuer kann es dennoch werden, über die Haltelinie zu fahren: bis zu 130 Euro und drei Punkte. „Die normale Bevölkerung weiß wenig über den Grünpfeil“, sagt Rauprich, der auf seinen Schulfahrten immer wieder erlebt, wie Autofahrer sich falsch verhalten. Er glaubt: Würden mehr Grünpfeilschilder aufgestellt, könnten die Menschen auch besser damit umgehen. Denn sinnvoll seien die Schilder, für die Umwelt und den Verkehrsfluss.

Die Initiative „Ja zum Grünen Pfeil“ hat in Essen und auch in Bochum jeweils sechs neue Grünpfeilschilder beantragt. Man werde die Anträge prüfen, heißt es aus den Rathäusern.

 
 

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