Immer wenn er trinkt, rastet er völlig aus

Dorsten.. Immer wenn er Alkohol trinkt, sieht er rot. „Ein Phänomen“, befand sogar sein Bewährungshelfer: „Schon kleinste Mengen reichen aus, um ihn zu einem völlig anderen Menschen zu machen.“ Einen Menschen voller Aggressionen, der seine Mitmenschen anpöbelt, bedroht und angreift, ausländerfeindliche und rechtsradikale Parolen grölt. Genau das brachte ihn am Donnerstag zum wiederholten Male vor Gericht.

Er verließ es als freier Mann, denn die Verhandlung wurde vertagt, weil zunächst ein Gutachten über die Schuldfähigkeit bzw. verminderte Schuldfähigkeit des 53-jährigen Dorsteners, der ohnehin schon unter Führungsaufsicht steht, eingeholt werden kann. Eine seiner Bewährungsauflagen - nicht mehr als bis zur Promillegrenze von 0,5 zu trinken - wurde inzwischen (auch weil gar nicht praktikabel) widerrufen: nicht ein Tropfen Alkohol darf jetzt mehr über seine Lippen kommen.

Kaum mehr als diese 0,5 Promille hatte er im Blut, als er im vergangenen Sommer wieder ausrastete. Erst wählte mit seinem Handy zig-mal den Notruf der Polizeileitstelle in Recklinghausen, meldete sich unter falschem Namen, kündigte an, gleich werde was passieren, beschimpfte und beleidigte die Beamten, ließ ausländerfeindliche Sprüche vom Stapel. Die Polizei machte seine Adresse in Holsterhausen ausfindig, nahm ihn vorläufig fest und wurde auf dem Weg zur Wache von ihm bedroht.

So ging es nur wenige Tage später auch drei als Zeuginnen geladenen Bekannten des Mannes, als sie sich weigerten, ihm Tabak zu kaufen. Eine der Frauen ging er auch körperlich an, drängte sie so gegen die Brüstung eines Balkons, dass sie Angst hatte, aus dem dritten Stock zu stürzen. Ein weiterer Vorfall ereignete sich im letzten Oktober mit einem entfernten Verwandten, der derzeit selber eine Therapie macht. Ihm drohte er: „Ich mach’ Dich alle!“

Er trinke nicht mehr, weil er dann immer so ausraste, gab der Angeklagte am Donnerstag vor Gericht an und räumte die Vorwürfe ein: „Ich hab keinen Bock mehr auf den ganzen Schiet“, zeigte sich der Hartz-IV-Empfänger, der früher eine Therapie abgelehnt hatte, inzwischen einsichtig. Mit dem Gutachter will er zusammenarbeiten. Wie es mit ihm weitergeht, wird sich danach entscheiden.

Drei Zeugen, die am Donnerstag vor Gericht unentschuldigt fehlten, müssen mit einem Ordnungsgeld von je 150 Euro, ersatzweise drei Tagen Haft, rechnen.

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