Immer noch ein Tabuthema

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Foto: Kleve
Der Apotheker Daniel Schmidt informierte Angehörige von Demenzkranken über medikamentöse Behandlungswege

Anholt. Angehörige von Demenzkranken stehen dem Problem oft hilflos gegenüber und haben Fragen über Fragen. Oft wissen sie nicht, an wen sie sich in dieser Not wenden können. Aus diesem Grund haben Angelika Mischke, Barbara Schmidt und Hedwig Duesing, die alle drei beruflich mit Demenzkranken umgehen, ein Angehörigentreff ins Leben gerufen.

Jeden zweiten Monat trifft sich die Gruppe im Hause Rothkirch. „Die Krankheit ist für viele ein Tabuthema“, sagte Barbara Schmidt, „aber die Angehörigen brauchen das Gefühl, dass sie mit dieser Krankheit nicht alleine sind“. Wichtig sei es, eine Lösung zu finden um pflegende Angehörige zu entlasten.

Ehrenamtliche Aufgabe

Zu dem Treffen hatten die drei Damen, die im Übrigen ehrenamtlich die Abende organisieren, Daniel Schmidt, Inhaber der Glockenapotheke Isselburg, als Referenten eingeladen. Der Apotheker klärte darüber auf, welche Medikamente es gegen Demenz gibt.

Demenz sei ein Syndrom als Folge einer meist chronischen oder fortschreitenden Krankheit des Gehirns mit Störung vieler Funktionen einschließlich Gedächtnis, Denken, Orientierung, Auffassung, Rechnen, Lernfähigkeit, Sprache, Sprechen und Urteilsvermögen.

Die exakten Ursachen dafür seien noch nicht erforscht. Eine medikamentöse Behandlung der kognitiven Symptome könne durch Antidementiva erfolgen und die Behandlung der nicht kognitiven Symptome durch Antidepressiva und Benzodiazepine. Doch Antidementiva wirken nur kurzfristig und halten den geistigen Verfall der Betroffenen nicht auf.

Auch informierte Schmidt darüber, dass viele Forschergruppen weltweit sich mit der Krankheit beschäftigen. Aber die Hoffnung, dass in absehbarer Zeit ein wirksames Mittel gegen Demenz gefunden würde, sei sehr gering.

Angehörigen- und Pflegetraining

Das beispielsweise seit mehr als zehn Jahren erfolgte Konzept, einen Impfstoff gegen schädliche Eiweißablagerungen im Gehirn zu entwickeln, habe nach anfänglichen Erfolgen nun doch Rückschritte erlitten.

Schmidt informierte aber auch über nichtmedikamentöse Maßnahmen wie Angehörigen- und Pflegetraining als auch emotionale Verfahren wie biografisch orientierte Erinnerungstherapien.

Aber er machten den Angehörigen auch klar, wie wichtig für sie die soziale Intervention sei – wie Urlaub, die Patienten auch mal in eine Tagespflege zu geben und immer mal wieder Gelegenheiten zu suchen, selber Kraft zu schöpfen.

Wichtig sei es aber auch, offen mit dieser Krankheit umzugehen, die Öffentlichkeit über die Krankheit zu informieren und eventuell anderen Betroffen mit der Offenheit Mut zu machen, so wie es jüngst Rudi Assauer gemacht hat. Nach seinem Referat stand Schmidt den Angehörigen noch für persönliche Fragen zur Verfügung.

 
 

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