Im vierten Anlauf Deutscher

Achim Megger, mit dem Club Bad Königsborn im Rotlichtmilieu tätig, erhält im Bürgerservice der Stadt Unna seine Einbürgerungsurkunde
Achim Megger, mit dem Club Bad Königsborn im Rotlichtmilieu tätig, erhält im Bürgerservice der Stadt Unna seine Einbürgerungsurkunde
Foto: WR

Unna..  Der Gastronom aus Königsborn hatte anscheinend schon einmal vorgefeiert. „Mensch, bin ich kaputt, das war ‘ne lange Nacht“, sagt Achim Megger, als er gestern um 15.15 Uhr aus dem Bürgeramt im Rathaus trat.

In der Hand hält der selbst gemachte Bürgermeisterkandidat von 2009 feierlich einen Umschlag. Der Inhalt: Eine Einbürgerungsurkunde mit seinem Namen. „Jetzt bin auch ich endlich Mitglied im Club“, freute sich der stadtbekannte Besitzer eines Etablissements in Königsborn über die deutsche Staatsbürgerschaft und damit über das Ende einer unendlichen Geschichte, die er seit 48 Jahren mit der Bürokratie erlebt hat. „Das ist jetzt der vierte Anlauf, endlich hat es geklappt. Eigentlich wäre es mir, der ich mittlerweile einen polnischen Pass besitzt, ja egal gewesen. Aber meine Mutter Erika wollte unbedingt, dass ich ein guter Deutscher werde.“

Daher störte es Achim Megger auch wenig, dass er an diesem sonnigen Nachmittag vor dem städtischen Bediensteten Reinhard Zech beeiden muss, dass er das Grundgesetz und die Gesetze des Landes achten und Unheil von Deutschland fernhalten werde. „Hoffentlich glauben das auch die Steuerfahnder, die mir das Leben schon schwer genug gemacht haben“, gibt Megger augenzwinkernd zu verstehen.

Zumindest scheint der einst staatenlose Megger eine reine Weste zu haben. „Alle Papiere lagen vor und waren in Ordnung. Es gab nichts mehr zu beanstanden. Warum sollten wir Herrn Megger also nicht einbürgern“, erklärte Bürgeramts-chef Uwe Hasche. Der Einbürgerungstest blieb dem Königsborner übrigens erspart.

Als Achim Megger 2009 Bürgermeister werden wollte und dafür im Vorfeld die deutsche Staatsbürgerschaft beantragte, war das wohl noch anders. Aus seiner Sicht wollte die Stadt sich aber einen Konkurrenten um das Amt vom Leibe halten. Als Sohn eines polnischen Vaters und einer deutschen Mutter, die nach den Kriegswirren ohne Pass in Frankreich als Staatenlose lebten, beantragte er kurzerhand die polnische Staatsbürgerschaft und kandidierte trotzdem -- und unterlag. Legendär ist sein Werbevideo „Achim Megger – der richtige Mann für Unna“ (YouTube) .

Ob er als Deutscher 2014 noch einmal antreten werde, ließ der Unnaer gestern offen. „Man weiß nie. Wenn ich jetzt was sage, dann haben hier im Haus die Mitarbeiterinnen alle Angst, dass sie kurze Röcke tragen müssen“, orakelt Megger. Auf jeden Fall werde er jetzt endlich sein Buch schreiben, in dem es in zahlreichen Kapiteln eine Menge über die Auseinandersetzungen eines Königsborner Etablissements-Besitzers mit der Bürokratie zu erzählen gebe. Das letzte Kapitel soll heißen: „Jetzt bin ich Deutscher.“

 
 

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