Im Prozess nach Moschee-Brand fällt das Urteil

Gemeindevorsitzender Isa Altin zeigte im Sommer 2011 die Schäden in der Darul Erkam Moschee die durch Brandstiftung entstanden sind. Foto: Bodo Kürbs
Gemeindevorsitzender Isa Altin zeigte im Sommer 2011 die Schäden in der Darul Erkam Moschee die durch Brandstiftung entstanden sind. Foto: Bodo Kürbs
Foto: Bodo Kürbs

Bergkamen.  Vier Jahre und neun Monate Freiheitsstrafe forderte Staatsanwältin Sandra Lücke vor der 44. Kammer des Landgerichtes Dortmund für Dirk N. (24), der verantwortlich sein soll für die Brandserie im Juli vergangenen Jahres in Bergkamen.

Für zwei Jahre und zehn Monate soll sein willfähriger Komplize Stefan S. (24) in Haft. Die Staatsanwaltschaft sieht als Motiv Ausländerfeindlichkeit, die beide „auf dramatische Art zum Ausdruck gebracht haben“.

Am vorletzten Verhandlungstag vor der 44. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Marc Bünnecke hatte der erfahrene Arzt für Psychiatrie, Dr. Reinhard Dannhorn, das Wort und attestierte beiden Angeklagten, dass sie für ihre Taten - wenn auch eingeschränkt - aber schuldfähig waren und damit auch verantwortlich sind.

Vorletzter Verhandlungstag

So hatte der Haupttäter Dirk N. immer wieder sein gefährliches Tun, dem unter anderem der Moschee-Rohbau der Milli-Gürüs-Gemeinde an der Ernst-Schering-Straße zum Opfer fiel, mit übermäßigem Alkoholgenuss zu begründen versucht. Nach seinen Angaben und den Berechnungen des Experten hätte er zur Tatzeit am 23. Juli 2011 fast fünf Promille Alkohol im Blut gehabt haben müssen. Absurd, so der Dr. Dannhorn, dafür seien die Erinnerungen des Angeklagten mit einer „durchschnittlichen Intelligenz“ zu präzise: „Ein Vollrausch ist mit Sicherheit auszuschließen.“ Allein sein Hemmungsvermögen sei wohl beeinträchtigt gewesen. Überdies attestiere Dr. Dannhorn dem Haupttäter eine gehörige Portion „Selbstgefälligkeit“, er zeige „Merkmale einer narzisstischen Persönlichkeit und fühle sich „selbst als Angeklagter noch großartig“.

Völlig anders sein „Mitläufer“, wie ihn der Psychiater nannte: Emotional kaum schwingungsfähig, teilnahmslos, ziellos mit Wahrnehmungsstörungen und einer zerfahrenen Gedankenstruktur. Der Sauerstoffmangel bei seiner Geburt habe offensichtlich eine Hirnschädigung verursacht, die wiederum die Minderung seiner Leistungsfähigkeit begründe.

Beide Angeklagte seien aber keine Gefahr für die Allgemeinheit, zwingende Gründe für die Unterbringung in einer Psychiatrie gebe es nicht.

Die Strafe für Stefan S. wird im Vergleich zu Dirk N. geringer ausfallen, weil ihn keine Schuld für den Wohnhausbrand an der Hubert-Biernat-Straße trifft. Seine Verteidigung setzt gar auf eine bewährungsfähige Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren. Die Urteile werden am kommenden Dienstag erwartet.

(Alle Namen geändert)

 
 

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