Illner-Runde prophezeit Guttenberg-Comeback

Kathrin Feldhofer
Maybrit Illner. (Foto: Imago)
Maybrit Illner. (Foto: Imago)
Foto: imago stock&people
Wer meint, zum Thema Guttenberg sei alles besprochen, der irrt anscheinend. Maybrit Illner sagte in ihrem Talk noch einmal „Gutt-bye“ – oder doch schon wieder „hello again“? Jedenfalls rechnet nicht nur Erwin Huber mit einem Comeback des Freiherrn.

Essen. Wenige Tage nach dem Rücktritt von Karl-Theodor zu Guttenberg sind die Gemüter noch immer erhitzt. Das zeigte auch die Talkrunde von Maybrit Illner, die sich der Frage stellte: Held gestürzt, Kanzlerin gerettet? Sie hätte aber auch heißen können: alle gegen Huber.

Denn der CSU-Politiker hielt weiter energisch an der Position fest, Guttenberg sei einer „rücksichtslosen Treibjagd“ zum Opfer gefallen. Auch Jürgen Trittin machte er persönlich verantwortlich, durch seine Rede im Bundestag zum Rücktritt beigetragen zu haben. Trittin fühlte sich sichtlich geschmeichelt.

Guttenberg ist zu spät gegangen

Guttenberg habe bis zum Schluss versucht, anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben, sagte taz-Chefredakteurin Ines Pohl. Er habe andere Menschen instrumentalisiert und drei tote Bundeswehrsoldaten dazu benutzt, den Zeitpunkt des Rücktrittes zu begründen. „Schäbiger geht es nicht“, fand Pohl.

Einig waren sich alle Gäste außer Ex-CSU-Chef Huber darin, dass Guttenberg zu spät gegangen ist. „Ich hätte das weder mir, noch meiner Kanzlerin zugemutet“, sagte SPD-Mann Klaus von Dohnanyi. Der ehemalige Erster Bürgermeister von Hamburg und Merkel-Freund sollte zum größten Fürsprecher der Kanzlerin werden.

Schuldfrage ungeklärt

Aber wer war am Ende Schuld am Sturz des Mannes, den die einen als Helden, die anderen als Hochstapler betrachten? Die Opposition, die Medien oder doch die eigene Partei? Die kritischen Äußerungen von Politikern aus Reihen der Union, etwa von Bildungsministerin Annette Schavan und Bundestagspräsident Norbert Lammert, hielt Huber jedenfalls für „kritikwürdig“ – aber nicht ausschlaggebend. In Richtung Lammert schickte er die Spitze, der Bundestagspräsident solle sich in seiner Ausdrucksweise mäßigen.

Trittin sagte, dass die Stimmen aus der Wissenschaft ausschlaggebend gewesen seien. Merkels Bemerkung, sie habe keinen wissenschaftlichen Assistenten berufen, sondern es gehe ihr um die Arbeit als Verteidigungsminister, sei eine Herabstufung wissenschaftlicher Qualifikationen, so der Fraktionschef der Grünen. „Sie hat sich für den Populismus der Bild-Zeitung entschieden“, sagte er und das falle ihr jetzt auf die Füße. Auch Journalist Hajo Schumacher sieht darin den „Kardinalfehler der Kanzlerin“.

Merkel nachhaltig geschädigt?

Es wäre Aufgabe der CSU oder Horst Seehofers gewesen, sich Guttenberg mal zur Seite zu nehmen, verteidigte hingegen von Dohnanyi Merkels Handeln. Die Kanzlerin selbst hätte sich in der Koalition nicht anders verhalten können „sonst wäre sie die Mörderin gewesen“, davon ist der SPD-Mann überzeugt.

Das ordnete Ines Pohl von der taz anders ein. Für sie ist Merkel von ihren eigenen Grundsätzen abgerückt. Die Kanzlerin habe für Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit gestanden, und das habe Merkel verloren, indem sie sich vor jemanden gestellt hat, der so offensichtlich betrogen habe. Dieser Schritt werde Merkel nachhaltig schaden, schätzte Ines Pohl. Die Runde war sich jedoch einig darin, dass der Fall Guttenberg nicht zu einem Fall Merkels führe.

„Im schlimmsten Fall muss er ein Jahr nach Europa“

Aber was kommt nun? Das Beste am Rücktrittes sei, dass Thomas de Maizière (CDU) jetzt die Bundeswehrreform durchführen wird, sagte Trittin bissig in Richtung der CSU. Er und die Talk-Runde waren überrascht als Huber ihm darin zustimmte und von einer „exzellenten Entscheidung“ sprach, de Maizière zum Verteidigungsminister zu machen.

Und auch Guttenberg werde nicht lange in der Versenkung verschwinden, davon war die Mehrheit der Runde überzeugt. „Im schlimmsten Fall muss er ein Jahr nach Europa“, sagte Journalist Hajo Schumacher. Und Klaus von Dohnanyi prophezeite, dass Guttenberg 2013 wieder antritt und erfolgreich zurückkehrt. Die Türen der CSU werden ihm dazu jedenfalls offen stehen, betonte Huber. Wann genau Guttenberg Parteichef Seehofer ablösen wird, darauf wollte sich Huber dann aber doch nicht festlegen.