IG Bau reicht ACS die Hand

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Madrid/Essen.  Die IG BAUhat mit dem spanischen Baukonzern ACS eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit nach einer Übernahme von Hochtief abgeschlossen. Hochtief ist überrascht vom Vorpreschen der Gewerkschaft.

Neuer Rückschlag für Hochtief: Die Industriegewerkschaft Bergbau-Agrar-Umwelt (IG BAU) hat mit dem spanischen Baukonzern ACS eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit nach einer Übernahme des deutschen Marktführers abgeschlossen. Wichtigste Punkte darin: Die Spanier wollen nach dem Kauf des Essener Konzerns auf betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland verzichten und an der Mitbestimmung festhalten. Ein IG-BAU-Sprecher sagte am Mittwoch, die größten Bedenken der Gewerkschaft gegen die Pläne der Spanier seien damit ausgeräumt. Hochtief zeigte sich vom Vorgehen der Gewerkschaft überrascht.

In der zunächst bis Ende 2013 befristeten Vereinbarung sicherte der spanische Baukonzern der Gewerkschaft außerdem den Erhalt der Selbstständigkeit von Hochtief und den Verbleib der Hauptverwaltung in Essen zu. Ausdrücklich versicherte ACS in der Vereinbarung auch noch einmal, dass der Konzern nicht den Abschluss eines Beherrschungsvertrages anstrebe und die Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen von Hochtief respektieren werde. Die IG BAU bleibe alleiniger Sozialpartner für Deutschland. Wörtlich heißt es in der Vereinbarung: „ACS würde den Vorstand von Hochtief unterstützen, wenn er entscheidet, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.“

Hochtief überrascht vom Vorpreschen der Gewerkschaft

Die IG BAU betonte, sie sehe durch die Absprachen nunmehr die Möglichkeit zu einer konstruktiven Beziehung zwischen Hochtief, den Beschäftigten und ACS. Wichtig sei für die Gewerkschaft vor allem die Sicherung der Arbeitsplätze. Es sei die Auffassung beider Seiten, dass ACS bereits dann im Geiste dieser Absprachen handeln werde, wenn das Unternehmen mit seinem Übernahmeangebot das Ziel erreiche, eine Beteiligung an Hochtief von mehr als 30 Prozent zu sichern, hieß es in der Vereinbarung weiter.

Hochtief zeigte sich vom Vorpreschen der Gewerkschaft überrascht. Ein Unternehmenssprecher sagte der Nachrichtenagentur dapd: „Nach unserem derzeitigen Wissen ist die Belegschaft darüber überhaupt nicht informiert und der Betriebsrat befasst sich jetzt umgehend damit, was das für sie bedeutet.“ Inhaltlich biete die Vereinbarung nichts Neues gegenüber dem bekannten ACS-Übernahmeangebot.

ACS hatte Angebot überraschend erhöht

Bislang hat ACS sein Ziel, die 30-Prozent-Schwelle bei Hochtief zu überschreiten, nach eigenen Angaben noch nicht erreicht. Das Übernahmeangebot sei erst für 5.825 Aktien angenommen worden. Dies entspreche rund 0,008 Prozent des Grundkapitals. Damit liege der Anteil des spanischen Baukonzerns nun bei 27,26 Prozent am deutschen Konkurrenten, teilte ACS mit. Allerdings hat der Hochtief-Großaktionär Southeastern Asset Management bereits angekündigt, für rund zwei Millionen Hochtief-Aktien das Angebot annehmen zu wollen. Damit rückt das Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle für die Spanier in greifbare Nähe.

ACS hatte vergangene Woche das Angebot überraschend erhöht und bietet nun neun statt acht eigene Aktien für fünf Hochtief-Papiere. Vorstand und Aufsichtsrat von Hochtief hatten aber auch die nachgebesserte Offerte als unattraktiv zurückgewiesen. (dapd)

 
 

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