„Ich nehme die Oma nicht“

Im Kulturhaus wurde das Stück Wohin mit Oma? gezeigt.
Im Kulturhaus wurde das Stück Wohin mit Oma? gezeigt.
Foto: WR

Lüdenscheid..  „Ich nehme die Oma nicht!“ – „Ich auch nicht!“ Die Positionen erscheinen verhärtet. Über die Frage „Wohin mit Oma?“, um die am Dienstagabend im Roten Saal des Kulturhauses das Spiel des legislativen Theaters aus Berlin kreiste, kommt es zum handfesten Streit zwischen den Schwestern Silke und Barbara, die sich plötzlich – die Mutter ist gestürzt und kann sich nach einem Oberschenkelhalsbruch nicht mehr allein versorgen – mit der Pflegebedürftigkeit ihrer Mutter konfrontiert sehen.

Beide haben schlagkräftige Argumente, warum sie die Oma nicht zu sich nehmen können.

Beide sehen sich mit der Pflege überfordert. Barbara wohnt weit weg und hat sich gerade selbstständig gemacht. Silke will nach der Kinderzeit zurück in den Beruf.

Im Dialog mit
dem Publikum

„Wenn Sie mich fragen, haben beide ein schlechtes Gewissen“, meint Freundin Semra, die eine Vermittlerrolle übernimmt. Auf ungewöhnliche Weise luden die Berliner, die mit ihrer Theaterform den Dialog zwischen Bevölkerung und Politik beleben möchten, am vergangenen Dienstag auf Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung zur Auseinandersetzung mit Alter und Pflege ein.

Seitens der Politik beteiligten sich MdB Petra Crone, Bürgermeister Dieter Dzewas und MdL Gordan Dudas an der Diskussion und aufgeworfenen Fragestellungen.

Seitens der Stiftung machte Robert Kirchner-Quehl mit dem Anliegen des Abends bekannt.

Als „andere Art, Politik näher zu bringen“ bezeichnete Petra Crone das legislative Theater, das wertvolle Impulse zum Nachdenken gab.

Als Moderatoren lenkten Harald Hahn und Jens Clausen Spiel und Interaktion. Spielszenen mit den Schauspielerinnen Nora Adomeit (Silke), Melanie Nebe (Barbara) und Özge Tomruk (Semra) gaben den Anstoß, Zuschauer und Politiker zu Wort kommen zu lassen und auf gesetzliche Grundlagen zu schauen.

Der musikalische Teil des Abends war bei Mathias Goike (Akkordeon) in besten Händen.

Um Überforderung bei der Pflege und die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege ging es ganz konkret.

Immer wieder hieß es: „Ihre Meinung ist gefragt!“ Wer mit dem Verlauf einer Szene nicht einverstanden war, hatte die Möglichkeit, selbst auf die Bühne zu gehen und problematische, vertrackte Situationen anders als dargestellt zu lösen.

Bei Fragen zu Pflegediensten, zur Tagespflege und mehr waren die Politiker gefordert. Auf Auszeiten von der Pflege, häusliche Gewalt gegen Pflegebedürftige, gesetzliche Ansprüche auf Pflegezeiten und mehr gingen die Berliner, denen jede Meinung, jede Erfahrung wichtig war, ein.

 

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